Sarcophagus with scenes of myth of Phaedra and Hippolytus. Front panel: the departure of Hippolytus and his friends to the hunt, and his encounter with Phaedras wet-nurse.

Marble. Late 2nd cent. CE.
Inv. No. A 432.

Saint Petersburg, The State Hermitage Museum

Origin:
Found in Rome in 1853 on Via Aurelia. Entered the Hermitage in 1862 from the Campana collection.
Description:

Deutsch 6. Sarkophag: Hippolytos (Taf. 1417).

Inv.-Nr. A. 432.
Maße: H. = 1,25 m; L. = 2,30 m; Br. = 1,19 m.
Material: Feinkörniger, weißer Marmor.

Herkunft: Gelangte 1862 aus der Sammlung Campana in die Ermitage, nachdem er 1853 in Rom auf der Via Aurelia gefunden worden war. In demselben Grabgewölbe befanden sich noch zwei weitere Sarkophage, die heute im Louvre1 aufbewahrt werden. Der Sarkophag hatte einst einen Deckel in Form einer Lagerstatt mit darauf ruhender männlicher Figur; er wurde jedoch zerstört und ging verloren2.

Erhaltungszustand: Der Deckel fehlt; die Reliefs sind nachpoliert; fehlende Teile wurden in der für die Sammlung Campana arbeitenden Restaurierungswerkstatt ersetzt.  An der Vorderseite sind ergänzt: bei der ersten Figur links Nase, Oberlippe und linke Hand, der Kopf des Hundes und das Maul des Pferdes; an der zweiten Figur Nase, die Finger der rechten Hand mit dem Zaumzeug und die linke Hand mit dem oberen Lanzenende; an der dritten und vierten Figur jeweils die Nasen; an der fünften Figur die vorderen Partien des Kopfes, der Hals, der Oberteil der Brust, vier Finger der rechten Hand, die linke Hand mit dem Zaumzeug, ein Flicken an der linken Körperseite und der Schwertgriff, am Hund die Vorderbeine, ein Stück in der Nähe des Halses, das linke Ohr und das Auge sowie das S.27 gesamte Pferd; die sechste Figur wurde  von den Füßen abgesehen  vollständig ergänzt; an der siebten Figur der rechte Arm, Stücke am Kopf, am Hals und auf der Brust sowie das rechte Bein, der Kopf des Hundes und das Pferd; an der achten Figur die Nase und ein Stück am rechten Arm; an der neunten Figur schließlich die Nase und der linke Arm mit der Lanze.  An der rechten Schmalseite sind modern ergänzt: bei der ersten Figur von links die Nase, der rechte Arm ohne seine Hand und der linke Arm vom Ellenbogen abwärts; an der zweiten Figur die Nase und die rechte Hand mit dem Brief; an der dritten Figur die Nase, der linke Rand des Diadems und ein Stück des Mantels; der rechte Arm und das rechte Bein des sitzenden Eroten; an der vierten Figur der ganze obere Teil des Kopfes und ein Stück am linken Arm; an der fünften Figur der obere Rand des Fächers; an dem stehenden Eroten die Nase; an der sechsten Figur Kopf, Schulter, linke Körperseite bis zur Hüfte und ein Stück des Chiton; von den Füßen abgesehen die siebte Figur vollständig, ebenso ein großes Stück am Oberteil der Rückwand.  In der Mitte der linken Schmalseite ist der gesamte obere Teil ergänzt worden; an den Figuren sind außerdem sämtliche Nasen neu.  An der Rückseite ist fast die ganze linke Hälfte erneuert, wobei nur die linke untere Ecke antiken Ursprungs ist.

Literatur:
. , . , 4- ., - 1901. . 9091,  191, .
C. Robert, Die antiken Sarkophag-Reliefs, III, 2. Einzelmythen: Hippolytos  Meleagros, Berlin 1904. S. 182185 Nr. 154, Taf. 48 Abb. 154.
. . , . , 1923. . 149,  377, .
G. Rodenwaldt, AA. 1940, Sp. 605606 Abb. 6 ( ), Sp. 607608.
G. Rodenwaldt, JdI. 51, 1936, S. 84.
F. Gerke, Die christlichen Sarkophage der vorkonstantinischen Zeit (= Studien zur spätantiken Kunstgeschichte 11), Berlin 1940. S. 6, Anm. 2.
R. Redlich, Die Amazonensarkophage des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. (= Schriften zur Kunst des Altertums 4), Berlin 1942. S. 8283.
. . ,  // . . 7. 3, .: - . , 1962. . 259260, . 10.
. , 1963, . . 172 174.

Die architektonische Gliederung des Sarkophagkastens ist zwar schwach ausgeprägt, dafür aber reich dekoriert. An der Vorder- und der rechten Schmalseite verläuft oben ein schmales Karnies mit einem Ornament, das aus Akanthusranken besteht, die von Blüten unterbrochen werden, und darüber eine Reihe vertikal angebrachter Akanthusblätter. An den beiden anderen Seiten weist das Karnies keine Ornamentik auf. An der Vorder- und rechten Schmalseite besitzt der Sockel ein starkes Profil und ist mit Zahnschnitt, Kymation, Flechtwerk und einem Band aus Akanthusranken verziert. In den Eckfeldern sind paarweise Tierdarstellungen angebracht. Die linke Schmalseite besitzt ein Ornament aus einem breiten Akanthusstreifen. An der Rückseite sind Akanthusranken und eine Girlande aus Lorbeerlaub vorhanden.

Alle vier Seiten des Sarkophags werden von thematisch gebundenen Kompositionen eingenommen, die mit der Hippolytos-Sage in Zusammenhang stehen. Die Vorder- und die rechte Schmalseite sind dabei in Hochrelief, die linke Schmal- sowie die Rückseite in Flachrelief ausgeführt.

In der Komposition der Vorderseite sind zwei Themen vereinigt, einmal der Aufbruch des Hippolytos und seiner Freunde zur Jagd, zum anderen ihr Zusammentreffen mit der Amme der Phädra. Dabei sind die Figuren der Amme und des Hippolytos nach links gerückt. Zwischen ihnen erscheint der Kopf eines der Freunde des Hippolytos. Links schließen zwei andere Gefährten die Komposition ab, während vier in ziemlich gleichartiger Haltung stehende Jünglinge den rechten Teil der Szene einnehmen.

Die rechte Schmalseite stellt die leidende Phädra inmitten ihrer Dienerinnen dar, wobei die rechte Gruppe am Sarkophag der Ermitage falsch rekonstruiert worden ist. Ihre richtige Ergänzung ermöglicht das Fragment eines entsprechenden Sarkophags im Louvre3, wo die Mädchen musizierend dargestellt sind.

Auf der linken Schmalseite wird der Tod des Hippolytos gezeigt. Die Handlung spielt sich vor dem Hintergrund einer gebirgigen Landschaft ab, die herkömmlicherweise am unteren Rand angegeben ist. Der Handlungsort wird außerdem durch drei en miniature ausgeführte Bäume charakterisiert. Vier diagonal angeordnete Pferde, ein zerbrochener Kampfwagen und ganz in der Ecke die Figur des Hippolytos nehmen die Szene fast gänzlich ein; nur zwei von den Gefährten des Hippolytos sind anwesend.

Auf der Rückseite ist die Eberjagd dargestellt.

Die auf dem Relief dargestellten Szenen sind der Tragödie Hippolytos des Euripides entnommen. K. Weizmann4 hebt hervor, daß die Maler und Bildhauer der klassischen Zeit häufiger die Epen Homers als die Tragödien des Euripides benutzten. Doch seit dem Hellenismus beginnen euripideische Themen zu dominieren, wobei sie entweder als Einzelszene oder als Zyklus gestaltet werden. Die Zyklen werden vor allem auf Sarkophagreliefs dargestellt. Auf dem Sarkophag in der Ermitage sind es die Qualen der Phädra, der Aufbruch des Hippolytos, S.28 das Zusammentreffen mit der Amme, die Jagd und der Tod des Hippolytos. Diese Szenen illustrieren gleichsam den Handlungsablauf der Tragödie. A. Strong hat sehr treffend bemerkt: Thus the works of the second and third centuries A. D. follow Homer and Pindar, Aeschylus or Euripides, much more literally than did the works contemporary with those poets which treated of the same matter5.

Doch die auf dem Sarkophag wiedergegebenen Szenen aus der Tragödie des Euripides rufen beim Betrachter keine tieferen Gefühle hervor. Die gleiche Auffassung vertritt auch G. Rodenwaldt, der diesen Sarkophag kühl klassizistisch genannt hat6. Der Klassizismus des Sarkophags in der Ermitage äußert sich weniger in der Behandlung der Figuren, die man mit der Überarbeitung durch den Restaurator in der Sammlung Campana erklären könnte, als vielmehr in der Handhabung der Komposition. Die Isolierung der nicht thematisch gebundenen Figuren ist besonders an der Vorderseite zu spüren. Von den sieben Gefährten des Hippolytos bekunden nur drei ein gewisses Interesse für sein Gespräch mit der Amme. Die übrigen stehen gleichsam nur Modell, und ihre Zahl könnte ohne die geringste Einbuße für den Darstellungsgegenstand verkleinert oder vergrößert werden.

Der Sarkophag in der Ermitage ist in Thema, Komposition und Stil fast identisch mit Sarkophagen in Agrigento7, Tarragona8 und Woburn Abbey9. Stilistisch stehen ihm auch andere Sarkophage nahe, auf denen dasselbe Thema10 gestaltet wurde oder die mit den Sagen um Meleager11 und Achilleus12 im Zusammenhang stehen. Die große Zahl von Sarkophagen dieser Gruppe zeugt davon, daß im dritten Jahrhundert die klassizistische Richtung innerhalb der Grabplastik Attikas die führende Stellung einnahm.

Attischer Sarkophag. Ungefähr Mitte des 3. Jahrhunderts.

Irina Saverkina
1C. Robert, Die antiken Sarkophag-Reliefs, III, 2. Einzelmythen: Hippolytos  Meleagros, Berlin 1904. S. 198200 Nr. 161, Taf. 51 Abb. 161 [siehe Nr. 5725]; S. 247249 Nr. 198, Taf. 64 Abb. 198.

2H. Brunn, Kleine Schriften, Bd. 1, Leipzig 1898, S. 22.

3C. Robert, loc. cit., S. 181182 Nr. 153, Taf. 47 Abb. 153.

4K. Weizmann, Hesperia 18, 1949, S. 159.

5A. Strong, Roman Sculpture from Augustus to Constantine, London 1907, S. 256.

6G. Rodenwaldt, AA. 1940, Sp. 608.

7C. Robert, loc. cit., S. 178181 Nr. 152, Taf. 47 Abb. 152.

8H. Sichtermann, AA. 1954, Sp. 423426 Abb. 101104.

9C. Robert, loc. cit., S. 189191 Nr. 156, Abb., Taf. 49 Abb. 156.

10C. Robert, loc. cit., S. 194197 Nr. 160, Taf. 50 Abb. 160.

11C. Robert, loc. cit., S. 282285 Nr. 220, Taf. 73 Abb. 220.

12C. Robert, Die antiken Sarkophag-Reliefs, II. Mythologische Cyklen, Berlin 1890, S. 3539 Nr. 25, Taf. 1415 Abb. 25; S. 3943 Nr. 26, Taf. 1617 Abb. 26; S. 5761 Nr. 47, Taf. 22 Abb. 47.
Credits:
2014. Photo: Ilya Shurygin.
Info: museum annotation.
1979. Description: Saverkina I. I. Römische Sarkophage in der Ermitage. Akademie-Verlag, Berlin, 1979. S. 2628, Kat. Nr. 6, Taf. 1417.
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