Scenes of the myth of Medea. Front panel of sarcophagus.

Greek marble. Mid-2nd cent. CE.
Height 65 cm, length 227 cm.
Inv. No. Sk 843 b.

Berlin, State Museums, Pergamon Museum
(Staatliche Museen zu Berlin, Pergamonmuseum)

Origin:
Found at Rome, before Porta San Lorenzo (Porta Tiburtina), 1887. Acquired in 1890.
Description:
Deutsch

150. Medea-Sarkophag

(Raum 8)

Stadtrömisch, um 140—150 n. Chr.
1887 vor der Porta S. Lorenzo in Rom gefunden; 1890 erworben.
Griechischer Marmor. Höhe: 65 cm; Breite: 227 cm.
Sk 843 b.

Nach der Rache an Pelias (s. Kat. Nr. 114) fliehen Medea und Jason an den Hof des Königs Kreon in Korinth. Dort leben sie über zehn Jahre mit ihren beiden Söhnen, bis Jason Medea verstößt, um die Königstochter Kreusa (Glauke) zu heiraten. Kreon will nun die unheimliche Fremde mit den Kindern aus Korinth verbannen. Zutiefst verletzt über diese Entehrung und über den Treuebruch des Jason, der ihrer Zauberkraft die Gewinnung des Goldenen Vlieses verdankte, ersinnt Medea tödliche Rache. Den Fortgang schildert der Medea-Sarkophag in vier Szenen:

Medea schickt der Braut durch ihre Söhne ein goldenes Diadem und ein kostbares Gewand zur Hochzeit; Kreusa empfängt die Kinder anmutig auf dem Thron des geschmückten Palastes, den drei tuskanische Säulen andeuten; Medeas alte Amme begleitet die Kinder, im Hintergrund der Brautführer mit Mohnkapseln; links betrachtet Jason gelassen die Übergabe der Geschenke. Die Verknüpfung zur nächsten Szene bilden die Hände des Brautpaares: die aufgestützte der Kreusa und die locker herabhängende des in der Mitte des Reliefs stehenden Jason, der — von einem Speerträger begleitet, Helm und Schild am Boden — auf die entsetzliche Wirkung der Geschenke blickt. Kaum hat Kreusa die vergifteten Gaben angelegt, schießen Flammen aus dem Diadem hervor und verbrennen die vergeblich vom Podest ihres Bettes Fliehende lebendigen Leibes; ihr herbeieilender Vater Kreon rauft sich die Haare. Ein Vorhang im Hintergrund fasst die Szene im Brautgemach zusammen. Rechts folgt der nächste Mord: Die beiden Knaben tollen arglos beim Ballspiel, während ihre Mutter Medea hinter ihnen bereits das Schwert gezückt hat, um ihre geliebten Kinder zu töten und so ihre Rache an Jason zu vollenden. In der letzten Szene besteigt die göttliche Königstochter Medea den Drachenwagen des Helios, der sie mit den Leichen ihrer Kinder in den Himmel entrücken wird; einen Knaben hat sie geschultert, die Beine des anderen hängen aus dem Wagen.

Die beiden Schmalseiten des Sarkophags zeigen — flüchtig in Flachrelief gemeißelt — Jason bei der Bändigung des Stiers in Kolchis und Jason mit einem bärtigen Argonauten. Der Berliner Medea-Sarkophag gehört zu einer Gruppe von 16 inhaltlich und zeitlich zusammengehörenden Exemplaren, die kompositorisch alle demselben Schema folgen. Sie schildern die 432 v. Chr. in Athen aufgeführte Tragödie des Euripides in vier »Akten«; der griechische Dichter hatte eine alte Sage aufgegriffen und mit seiner »Medeia« eine der eindrucksvollsten Frauenfiguren der Weltliteratur geschaffen. Die vorbildliche Bedeutung der griechischen Sagen für die römische Kunst wird besonders in den Reliefs der Sarkophage greifbar. Die mythologischen Sarkophage bilden die größte Gruppe in einer Gattung, die erst im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. mit der Körperbestattung begann. Zuvor hatte man in Rom während der Republik und der frühen Kaiserzeit die Toten verbrannt und in Aschenurnen beigesetzt.

Hochzeit und Tod, entsetzlicher Schmerz im glücklichsten Augenblick einer jungen Frau: Am mythischen Gleichnis der griechischen Tragödie wurde dem römischen Betrachter 600 Jahre später das tragische Schicksal der Bestatteten vor Augen geführt. Der Mythos diente als Lebenshilfe für die Hinterbliebenen, als Hoffnung auf Entrückung jenseits von irdischem Leiden und Todesangst.

Literatur: G. Koch — H. Sichtermann, Römische Sarkophage. Handbuch der Archäologie (1982) 159 ff.; LIMC VI s. v. Kreousa Nr. 3. 19; LIMC VI s. v. Medeia Nr. 51 (M. Schmidt); H. Schulze, Ammen und Pädagogen (1998) 82, 114 A S 26 Taf. 38, 1. 2; 41. 1; P. Zanker — B. C. Ewald, Mit Mythen leben. Die Bilderwelt der römischen Sarkophage (2004) 82—84. 115. 336 ff. Nr. 20; Pergamonmuseum Berlin. 66 Meisterwerke 2005, 84 (G. Platz-Horster).

Gertrud Platz-Horster
Credits:
(ńń) 2008. Photo: Sergey Sosnovskiy (CC BY-SA 4.0).
Text: museum inscription to the sculpture.
© 2007. Text of description: Scholl A. Die Antikensammlung: Altes Museum, Pergamonmuseum / Staatliche Museen zu Berlin. Philipp von Zabern, Mainz, 2007. S. 242—243, Kat. Nr. 150.
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History of Ancient Rome