Statue of Claudius as Jupiter
White fine-grained marble.
Ca. 50 CE.
Rome, Vatican Museums, Pius-Clementine Museum, Round Room, 16Inv. No. 243.Photo by Sergey Sosnovskiy

Statue of Claudius as Jupiter.

White fine-grained marble.
Ca. 50 CE.
Inv. No. 243.

Rome, Vatican Museums, Pius-Clementine Museum, Round Room, 16
(Musei Vaticani, Museo Pio-Clementino, Sala Rotonda, 16)

Description:

Deutsch 550. Kolossalstatue des Claudius (Taf. 40, 41 u. 42).

H. 2,54 m ohne die 0,11 m hohe Plinthe, der Kopf 0,36 m. Feinkörniger weißer Marmor mit schräg laufenden, z. T. grünlichen Streifen (wohl pentelisch).

Ergänzt in Marmor r. Ohr mit Umgebung, l. Ohr (Läppchen alt; die Ergänzungen scheinen nicht, wie Benndorf angibt, antik, vgl. u.), beide Arme (Ansatz des l. unter dem Mantel erhalten), Oberteil des Adlers; aus Gips (viel verschmiert): fast der ganze Kranz (l. und hinter r. Ohr ein paar Blätter erhalten), Haar r. von Stirnmitte bis zum Ohr, über l. Schläfe und um l. Ohr, Rand des l. Unterlids (Oberlid verschmiert), Spitze und r. Seite der Nase, herabfallende Binden, Rand der vorn vom l. Arm herabgehenden Mantelfalten, die meisten Faltenrücken vor dem Unterkörper (freies Stück zwischen den Beinen bis auf Rand alt), Falten des äußeren hinteren Zipfels und Ende des vorderen neben l. Bein; Ausbesserungen am Gewand; Spitze der ersten und zweiten Zehe beiderseits verschmiert. Die Beine (erst bei der Auffindung) gebrochen (Brüche durch Knöchel und Ferse des l. Fußes, durch l. Unterschenkel, durch r. Unterschenkel). Weitere Brüche durch Füße und Schwanz des Adlers. Der Kopf der Statue war in Mitte des Halses abgebrochen.

Der Kaiser ist als Juppiter dargestellt, wie der Adler S.138 neben dem r. Fuß zeigt. Er trug den Eichenkranz (corona civica; Blätter hinter dem r. Ohr ausgezackt), der mit Schleife hinten gebunden war; von dem herabfallenden Binden-Ende Spur auf l. Schulter. Die Richtung der Arme war durch die Ansätze gegeben. In der L. ist richtig das Szepter (auf Plinthe alte Spur davon?) ergänzt, während die R. eher den Blitz als die Schale gehalten hat. Der Mantel ist um den Unterkörper geschlungen und seine Enden zuerst von hinten nach vorn, dann von vorn nach hinten über die l. Schulter geworfen. Der l. Fuß ist zurückgesetzt, unter der erhobenen Ferse Stütze. Der Kopf ist etwas zu seiner R. gewendet. Die Plinthe hat vorn glatte Fläche, hinten ist der Umriß unregelmäßig mit dreieckigem Vorsprung für den l. Fuß. Die Arbeit der Statue ist hinten weniger sorgfältig, doch ist der Rücken des Adlers, das Gewand, der Rücken darüber ausgearbeitet; nur oben am Hals ist die Oberfläche roh. Der Oberschädel ist flach, gepickt. Formlos ist auch die Unterfläche des Gewandes zwischen den Beinen. Die sichtbaren Teile dagegen sind sehr gut gearbeitet, das Gewand mit einer Fülle kleiner Knicke und Brüche aus-gestattet. In starkem Gegensatz zu dem ganz ideal gehaltenen Körper steht der Kopf, eines der besten Porträts des Kaisers, mit allen Mitteln der zerfließenden, ‘malerischen’ Formgebung seiner Zeit gestaltet, ein Bild der Wirklichkeit und doch keine unbefangene Naturstudie, sondern eine Darstellung des Kaisers und seiner Geistigkeit, wie er sie gesehen haben wollte: keine Spur von »mitleidsloser Darstellung von Häßlichkeit und Dummheit«, oder gar von bewußter Parodie, die man in das Werk hineingesehen hat. Der Kontrast zwischen realistischem Kopf und idealistischem Körper war dem Römer ganz geläufig. Trotz ihrer Qualität ist die Statue kein ‘Original’. Der gleiche Typus ist für die Statue des Claudius im Metroon von Olympia, Werk der Athener Philathenaios und Hegias (Olympia Ergehn. III Taf. 60) benutzt. Auch die Köpfe stimmen überein. Das gemeinsame Vorbild hat eher in Rom als im griechischen Osten gestanden. Der Typus geht zwar auf griechische Zeusstatuen zurück S.139 (er gehört zu denen, die in der Entblößung der Forderung ‘klassischer’ Vergöttlichung, in der Verhüllung römischen Ansprüchen an Dezenz entsprechen), doch ist der äußere Mantelrand nach Art rund geschnittener römischer Gewänder im Bogen geführt. Die Darstellung als Juppiter ist natürlich kein Beweis, daß das Vorbild erst für den Kaiser als Divus geschaffen sei: sie hat an sich mit der Consekration nichts zu tun. Claudius ist sicher zu Lebzeiten als Juppiter dargestellt worden, wie die Cameen zeigen (Furtwängler, AG. III 320 f.). Auch die Ausführung der vaticanischen Statue wird eher der Zeit des Kaisers selbst angehören: gerade ihm werden nicht viele neue Statuen als Divus errichtet worden sein. Wenn wirklich, wie in den ersten Berichten behauptet wird, Arme und Ohren antik ergänzt waren, würde das für eine Verstümmelung nach dem Tode des Kaisers und spätere Restaurierung sprechen. Im Einzelnen hat der Künstler natürlich sein Vorbild, wie das bei ‘Neuschöpfungen’ der Kaiserzeit üblich war, frei wiedergegeben. Doch lassen sich selbst manche Einzelheiten der Faltenführung noch bei der olympischen Statue wiederfinden. Im übrigen ist diese grundsätzlich anders aufgefaßt: die Bewegung hat einheitlich rhythmischen Schwung, die Beine treten unter dem Gewand klar hervor, dessen Falten im klassisch-griechischen Sinn der Komposition des Ganzen untergeordnet sind, die realistischen Einzelzüge sind weggelassen. Doch mag neben dem Unterschied römischer und griechischer Arbeit auch eine spätere Ausführung der olympischen Statue, die sich flavischem Stil nähert (Rodenwaldt), mitspielen.

Gefunden 1865 von O. Anconi im nördlichen Teil von Cività Lavinia (Lanuvium) mit Trümmern verschiedener Art, von Pius IX. erworben und in seinem 20. Jahr (1866) aufgestellt (Inschrift an der Basis) an Stelle von Nr. 546.

Georg Lippold (1939)
Literature:
Benndorf, BdI. 1865, 227.
Engelmann, AdI. 44, 1872, 56 Taf. E (z. T. ohne Ergänzungen; fälschlich Augensterne angegeben).
Bernoulli, Röm. Ikonographie II 1, 332 Nr. 5; 349. 353/4 Taf. 17.
Löwy, IGB. 235, zu 332.
Treu, Olympia Ergehn. III 244.
Reinach, RS. II 574, 1.
S. 140 Hekler, Bildniskunst 180.
Helbig3 299.
Delbrück, Bildnisse röm. Kaiser Taf. 9.
Stückelberg, Die Bildn. d. röm. Kaiser Taf. 18 (Kopf).
Winter, KiB.2 401, 4.
Groag, RE. III 2833.
Pfuhl, RE. VII 2620.
A. Maviglia, RM. 28, 1913, 69 Nr. 18.
Lippold, Kopien 187.
Rodenwaldt, Gnomon 2, 1926, 341.
Koch, Röm. Kunst 86 Abb. 36.
E. Müller, Caesarenporträts III Taf. 12.
Sellers, Art in ancient Rome (1929) I 191 Abb. 217.
A. Levi, Historia 3, 1929, 276.
Rodenwaldt, KdA.2 555.
Rumpf, ALBildK. XVI 249; Einl. i. d. Altertumsw. (Gercke-Norden)4 3, 94.
R. West, Röm. Porträtplastik 206 Taf. 56 Abb. 239.
Enciclopedia Italiana X 546.
Bieber, RM. 48, 1933, 267 Anm. 3.
Paribeni, Il ritratto nell’arte antica Taf. 146.
Starczuk, RA. 4, 1935, 40.

Phot.:
Al. 6535.
And. 1340 (St.); 2252 (K. f.); a. 1233.
Mosc. 2226 (St.).
Inalt. 805 (St.); 1966 (K. halbl.).
Brogi 4070.
Parker 2600.
A. Braun (Dornach), Rom Vat. 100.
Credits:
(сс) 2006. Photo: Sergey Sosnovskiy (CC BY-SA 4.0).
© 1986 Text: Guide to the Vatican: Museums and City. Pontifical Monuments, Museums and Galleries. Tipografia Vaticana, p. 49.
© 1939. Description: G. Lippold, Die Skulpturen des Vatikanischen Museums, III 1, Berlin 1939, S. 137—140, Nr. 550.

comment
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History of Ancient Rome