Centaur mosaic
120—130 CE.
58.5 × 91.5 cm.
Berlin, State Museums, Old MuseumInv. No. Mos. 1.

Centaur mosaic.

120—130 CE.
58.5 × 91.5 cm.
Inv. No. Mos. 1.

Berlin, State Museums, Old Museum
(Staatliche Museen zu Berlin, Altes Museum)

Description:

Deutsch 78. Kentauren-Mosaik

Römisch, um 120/130 n. Chr.
Aus der Villa des Kaisers Hadrian bei Tivoli, Triclinium; 1846 erworben.
Verschiedenfarbige Natursteine in vielen Abstufungen. Höhe: 58,5 cm; Breite: 91,5 cm; Grösse der Tesserae: 0,5—1,2 mm.
Mos. 1

Bereits im 18. Jahrhundert wurde das Kentauren-Mosaik — zusammen mit anderen, kleineren Mosaiken mit Landschafts-, Tier- und Maskenszenen - auf dem Gelände des ausgedehnten, luxuriösen Villenkomplexes des römischen Kaisers Hadrian bei Tivoli an der Stelle seiner ursprünglichen Verlegung (in situ) aufgefunden.

Das relativ kleine Bildfeld (Emblema) war Teil der Fußbodenverzierung des Speisezimmers (Triclinium) im sogenannten Hauptpalast. Die verschiedenen Einzelszenen dieser Mosaikbilder thematisierten in bewusster Gegenüberstellung den Gegensatz von ungezähmter Wildnis und idyllischer Landschaft mit friedlichen Tieren.

Die Gefahren der Wildnis zeigt dieses Mosaik mit der dramatischen Darstellung eines Kampfes zwischen Raubtieren und einem Kentaurenpaar, Fabelwesen mit menschlichem Oberkörper und Pferdeleib. Auf einem Felsplateau, dessen vordere Kante parallel zur unteren Bildzone schroff abbricht, wurde ein Kentaurenpaar von Raubkatzen angefallen. Während sich der männliche Kentaur gegen den Löwen erfolgreich zur Wehr setzen konnte, gelang es dem Tiger, die Kentaurin niederzureißen und seine Pranken in ihren Körper zu schlagen. Sich wild aufbäumend und einen Felsbrocken mit beiden Händen hoch über den Kopf schwingend, kommt der Kentaur seiner Gefährtin gegen das nicht von seiner Beute ablassende Raubtier zu Hilfe. Trotz des bereits getöteten und blutend, mit eingezogenen Krallen am Boden liegenden Löwen ist der Ausgang des Kampfes noch nicht endgültig entschieden, denn im Hintergrund des Bildes, dessen räumliche Tiefe durch Staffelung und geschickte Farbabstufungen der zerklüfteten Landschaft erzielt wird, lauert noch ein angriffsbereiter Leopard als weiterer Gegner der Kentauren.

Während die ältere griechische Kunst in der Regel die tierische Seite dieser Mischwesen betonte, legte man später verstärkt Wert auf die Wiedergabe der menschlichen Züge. So überliefert Lukian, ein Schriftsteller des 2. Jahrhunderts n. Chr., dass der griechische Maler Zeuxis (um 400 v. Chr.) berühmt gewesen sei für sein Gemälde einer Kentaurenfamilie mit ihren Kindern in ländlicher Idylle, und der um die Zeitenwende lebende Dichter Ovid schildert in bewegenden Worten den Tod eines Kentaurenpaares.

Die umfangreichen Restaurierungen, die im 18. und 19. Jahrhundert vorgenommen wurden, erschweren die Datierung des Mosaiks, die von hellenistisch bis hadrianisch reicht. In der Forschung wird überwiegend die Meinung vertreten, dass es sich um eines der qualitätvollsten Werke römischer Mosaikkunst handelt, dem wohl ein griechisches Kunstwerk (Tafelgemälde oder Mosaik) hellenistischer Zeit als Vorbild diente.

Literatur:

I. Kriseleit, Antike Mosaiken (1985), 30 f. Nr. 8 mit Abb. und älterer Literatur;
M. De Francescini, Villa Adriana. Mosaici — Pavimenti — Edifici (1991) 121. 407. 409. 666 Taf. 8 Taf. A;
Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae VIII (1997), s. v. Kentauroi et Kentaurides Nr. 431 b. (Th. Sengelin);
B. Knittlmayer — W.-D. Heilmeyer (Hrsg.), Die Antikensammlung: Altes Museum, Pergamonmuseum/Staatliche Museen zu Berlin (1998), 117 Nr. 64 (I. Kriseleit);
K. E. Werner, Die Sammlung antiker Mosaiken in den Vatikanischen Museen (1998) 112 ff.;
K. M. D. Dunbabin, Mosaics of the Greek and Roman World (1999) 66 mit Abb. 70;
B. Andreae, Antike Bildmosaiken (2003) 279 ff.;
66 Meisterwerke 2005, 96 (S. Brehme);
M. Donderer, Und es gab sie doch. Ein neuer Papyrus und das Zeugnis der Mosaiken belegen die Verwendung antiker Musterbücher, in: Antike Welt 34, Heft 2, 2003, 65 f. mit Abb.

Silvia Brehme

English The centaur mosaic was found in the 18th century on the site of the sprawling, luxurious villa complex near Tivoli that once belonged to the Roman emperor Hadrian. The mosaic was found in situ along with other smaller ones that bore depictions of landscapes, animals and masks. The relatively small central panel (emblema) formed part of the floor decoration for the dining room (triclinium) in the main palace. The various individual scenes of these mosaic pictures bear depictions of wild, inhospitable landscapes that deliberately contrast with idyllic ones featuring animals living in harmony with each other. The dangers of the wild are portrayed in this mosaic in the dramatic struggle between great cats and a pair of centaurs, mythological creatures with the head, arms, and torso of a man and the body and legs of a horse. On a rocky outcrop that hangs over a terrific chasm that runs parallel to the bottom of the picture, a pair of centaurs have been pounced on by great cats. While the male centaur has been able to defend itself successfully from the lion, the tiger has managed to bring the female centaur to the ground and is clawing her side. The male centaur rushes to his companion’s side, rearing his legs in the air while holding a rock aloft above his head. Undaunted, the tiger seems intent on not surrendering its prey. Even though one lion already lies fatally wounded, bleeding and with its claws retracted, the outcome of the struggle is anything but clear because in the background (whose spatial depth is achieved through the staggered arrangement of rock forms and impressive gradations of colour) we see yet another foe for the centaur: a leopard ready to pounce. While depictions in older Greek art tended to emphasise the bestial side of centaurs, later depictions increasingly focussed on their human qualities. Lucian, a writer from the 2nd century, records that the Greek painter Zeuxis (active around 400 BCE) became famous for his painting of a family of centaurs, including the young, set in a rural idyll. Similarly, Ovid, who lived around the turn of the millennium, wrote in moving verse of the death of a centaur couple.

The extensive restoration work that was undertaken in the 18th and 19th century makes it difficult to date the mosaic with certainty. As a result, its dating ranges from Hellenistic to Hadrianic. There is broad agreement among scholars that the mosaic amounts to one of most virtuoso works of Roman mosaic art, which was inspired by a Greek work of art (either a panel painting or mosaic) from the Hellenistic period.

Deutsch Kentauren kämpfen gegen wilde Tiere

Mosaik aus der Villa Hadriana, Höhe 58,5 cm, Breite 92 cm
Berlin, Staatliche Museen zu Berlin — Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Antikensammlung
118—128 n. Chr.

War die römische Villa seit jeher das Wirtschafts- und Wohngebäude eines landwirtschaftlichen Anwesens, das sich stets außerhalb der Stadtmauern befand, so änderte sich das Erscheinungsbild solcher Anlagen im Lauf der Zeit erheblich. Wenn wir heute von einer römischen villa urbana oder einer villa marittima sprechen, dann sind damit die großzügigen und meist prachtvoll ausgestatteten Wohnsitze auf Zeit von reichen Grundbesitzern gemeint, die in schönen Landschaften mit wunderbarem Panoramablick oder am Ufer des Meeres errichtet wurden.

Es waren Orte der Muße und Treffpunkte für gebildete Gespräche über Kunst, Theater und Literatur, am ehesten vergleichbar mit den Salons des 19. Jahrhunderts. Besitzer solcher Anwesen waren lokale Politiker, zu Vermögen und Ansehen gekommene Dichter und Unternehmer, vor allem aber die Großen des Imperiums, die den alten aristokratischen Familien angehörten und im Senat von Rom die Geschicke des immer größer werdenden Reiches bestimmten. Cicero und Horaz besaßen ebenso ihre Villen wie der Feldherr Lucullus oder Caesar. Von unerhörtem Luxus geprägt waren jedoch die Villen, die sich die Kaiser und ihre nächsten Angehörigen erbauen ließen. Sorgfältig angelegte Gärten mit raffinierten Wasserspielen und zahlreichen Kunstwerken, großzügige Säulengänge, die in der Sommerhitze willkommene Kühle spendeten und zum Umherwandeln einluden, mit wertvollen Bodenmosaiken und aufwendigen Wandmalereien ausgestattete Speise- und Ruheräume prägten das Erscheinungsbild solcher Anlagen.

Lebte Livia, die Gattin des Augustus, noch in dafür eher bescheidenem Maßstab in Prima Porta, so konnte ihr Sohn Tiberius, der Nachfolger des Augustus, bereits eine prachtvolle Anlage auf Capri sein Eigen nennen. Die größte aller römischen Villen aber ließ sich Kaiser Hadrian in Tivoli vor den Toren Roms errichten — wobei man hier eher von einer in die Landschaft integrierten Palaststadt sprechen könnte, in der es an nichts fehlte, was das Leben angenehm gestaltete. Selbstredend, dass die Ausstattung eines Hadrian würdig war. Dazu gehört auch das abgebildete Bodenmosaik, das zu den Meisterwerken dieser Kunstgattung zählt und das den Boden eines Tricliniums, also eines Speiseraums, zierte — so wie in der Casa del Fauno das berühmte Alexandermosaik. Thema des Bildes ist der Kampf eines Kentauren mit wilden Tieren. Der Löwe liegt bereits mit zerschmettertem Kopf und fürchterlich blutend am Boden. Aber der Tiger hat eine Kentaurin geschlagen, hält die Schwerverletzte oder gar schon Tote mit beiden Pranken nieder. Ihn soll zweifellos der große Felsbrocken treffen, den der Kentaur im nächsten Moment losschleudern wird, während sein Blick den auf einem Felsvorsprung zum Angriff bereiten Panther zu fixieren scheint.

Die Szene spielt in einer felsigen und zerklüfteten Landschaft mit einigen Sträuchern. Die durch die unterschiedliche Färbung von Gestein, Unterholz und Hintergrund geschaffene spannungsgeladene Atmosphäre in Verbindung mit gekonnter Nutzung der Perspektive und einer ausgewogenen Bildkomposition belegen die Meisterschaft des Mosaikkünstlers. Wie beim Alexandermosaik ist auch hier wohl an ein berühmtes Gemälde als Vorbild zu denken, das mehr oder weniger exakt als Mosaik kopiert wurde. Ob es sich dabei um ein verlorenes Bild des im 5. Jh. v. Chr. lebenden griechischen Malers Zeuxis handelte, der erstmals eine Kentaurin gemalt haben soll, also ein weibliches Fabelwesen halb Mensch halb Pferd, muss jedoch unbeantwortet bleiben.

M. Siebler
Credits:
Photo: Wikimedia Commons.
Source: tAFrCGFUhXM8Jg at Google Cultural Institute.
© Photo: Johannes Laurentius.
© 2007. Description (1): Scholl A. Die Antikensammlung: Altes Museum, Pergamonmuseum / Staatliche Museen zu Berlin. Philipp von Zabern, Mainz, 2007. Pp. 135—137, cat. no. 78.
© English translation: https://artsandculture.google.com
© 2007. Description (2): Siebler M. Römische Kunst. Taschen, Köln, 2007. P. 70.
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History of Ancient Rome