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Ôîðìèðîâàíèå êðåïîñòíîãî ïðàâà â ïîçäíåé Ðèìñêîé èìïåðèè.

Êîïòåâ À. Â. Îò ïðàâ ãðàæäàíñòâà ê ïðàâó êîëîíàòà. Ôîðìèðîâàíèå êðåïîñòíîãî ïðàâà â ïîçäíåé Ðèìñêîé èìïåðèè.
Âîëîãäà: Èçä-âî «Àðäâèñóðà», 1995, 264 ñ.

ñ.258

Zu­sam­men­fas­sung.

Von den Bür­ger­rech­ten zum Ko­lo­natsrecht in der Spä­tan­ti­ke

(die For­ma­tion der Lei­bei­gen­schaft in der Spä­tan­ti­ke)


Es sich Notwen­dich das Rö­mi­sche Reich als ein So­zial­sys­tem zu bet­rach­ten. Sei­ne Struk­tur­bil­den­de Zel­le war bür­ger­li­che Stadtge­mein­de. In die­sem Sin­ne kann das Reich als eine Zi­vi­li­sa­tion mit zwei Kon­zentra­tionszentren der Zi­vi­li­sa­tionszei­chen (westlich und östlich) be­han­delt wer­den. Die westli­che Stad­tordnung war ab­ge­lei­tet von der ita­li­schen und rich­te­te sich nach den rö­mi­schen Rechtsnor­men. Die al­te­re Stad­tordnung im Os­ten hat sich den Tra­di­tio­nen des hel­le­nis­ti­schen Staatswe­sens an­ge­passt und ver­fug­te über das Recht auf grie­chi­scher Grundla­ge. Die Ri­va­li­tät der bei­den Zentren brach­te das Reich nicht nur ins Wan­ken, son­dern auch bes­timmte die Rich­tung sei­ner in­ne­ren Evo­lu­tion des Rei­ches zur Erwei­te­rung der po­li­ti­sch vor­herrschen­den rö­mi­schen Bür­ger­schaft. Im 1. Jh. v. Chr. brei­te­te sich der rö­mi­sche Bür­ger­kol­lek­tiv bis zu den Gren­zen Ita­liens aus, in­dem er sei­ne Nor­men in sei­ne Um­ge­bung in­teg­rier­te, und im 3. Jh. n. Chr. er­reich­te er die Gren­zen des Rei­ches. Die Verbrei­tung der Bür­ger­rech­te un­ter dem Kai­ser Ka­ra­kal­la for­der­te den Um­bau der Eigen­tumsver­hältnis­se, Ge­sell­schaftsnor­men und der po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­tion der Be­völ­ke­rung in un­gewöhnlich großen Di­men­sio­nen. Das ve­rur­sach­te eine so­zial­po­li­ti­sche Kri­se im 3. Jh. Die Re­for­men von Diok­le­tien hal­ten zum Ziel, neue Bür­ger in vertrau­ten For­men der Bür­ger­ge­mein­de zu or­ga­ni­sie­ren. Aber die Anwen­dungsdi­men­sio­nen die­ser For­men vergrößer­ten sich so, dass sie eine neue Eigen­schaft entwi­ckel­ten.

Das Insti­tut des Ko­lo­nats war ein Teil des Sys­tems der Ge­sell­schaftsver­hältnis­se. Obwohl es Ko­lo­nen schon frü­her ge­ge­ben hat­te, entstand das Ko­lo­nat erst in der Spä­tan­ti­ke. Die Be­zie­hun­gen zwi­schen Ko­lo­nen und Bo­den­be­sit­zern hat­te ein wirt­schaftli­che, alltäg­li­che und pri­vat­rechtli­che Grundla­ge. Sie sind in verschie­de­nen Quel­len fi­xiert. Das Ko­lo­nat war eine öf­fentlich-rechtli­che Insti­tu­tion, die sich ausschließlich im Kai­ser­recht rea­li­sier­te. Die Be­mü­hun­gen der mo­der­nen Er­forscher, das Ko­lo­nat der Ko­de­xe als Fortset­zung der Be­zie­hun­gen der Ko­lo­nen zu den Grundbe­sit­zern zu bet­rach­ten, sind nicht kor­rekt. Das An­lie­gen, den Un­terschied zwi­schen zwei Stu­fen der Ko­lo­natsbe­zie­hun­gen zu überwin­den, scheint J.-M. Car­ries Ar­ti­kel an­ge­regt zu ha­ben, die eine neue Dis­kus­sion über das Ko­lo­nat ins Le­ben ge­ru­fen ha­ben. Die Umwandlung der pri­vat­rechtli­chen Be­zie­hun­gen von Ko­lo­nen zu den Bo­den be­sit­zern in eine öf­fentlich-rechtli­che Insti­tu­tion des Ko­lo­nats wur­de erst durch die Um­ges­tal­tung der ge­sam­ten Ge­sell­schaftsstruk­tur mög­lich. Entspre­chend den vor­han­de­nen Quel­len kann das Ko­lo­nat nur als das Recht des Ko­lo­nats er­forscht wer­den, was aber nicht mit Diok­le­tien be­gin­nen soll, son­dern mit den Vo­raus­set­zun­gen, die nö­ti­ge Be­din­gun­gen für die Um­ges­tal­tung der Reichsge­sell­schaft ge­schaf­fen ha­ben.


Ka­ra­kal­las Edikt und die Rechtsla­ge der ländli­chen Be­völ­ke­rung in den rö­mi­schen Pro­vin­zen.

Die He­raus­ga­be von Con­sti­tu­tio An­to­ni­nia­na führte da­zu, dass das rö­mi­sche Recht auf Ge­sell­schaftsnor­men der Pro­vinz be­zo­gen wur­de. Die Bauern verschie­de­ner Pro­vin­zen und Or­te hal­ten un­terschied­li­che ge­sell­schaftli­che und wirt­schaftli­che La­ge. Aber in den rö­mi­schen Rechtsnor­men wur­den sie al­le als Ko­lo­nen bet­rach­tet, als Bo­den­pach­ter mit einem kurzfris­ti­gen Pachtvertrag. Da­bei be­han­del­ten die Juris­ten die Mög­lich­kei­ten, die die Pachtform lo­ca­tio-con­duc­tio dar­bot, auf eine neue Art. Die Pacht wur­de langfris­tig, die Zah­lun­gen wur­den sowohl in Geld als auch in na­tür­li­cher Form er­le­digt, der Pachtvertrag brauch­te nicht mehr schriftlich festge­hal­ten zu wer­den. Ul­pians De­fi­ni­tion des Ko­lo­nen (Dig. 19, 2, 14) be­schrieb ihn for­mal als einen ñ.259 Päch­ter, mein­te aber in der Tat einen langfris­ti­gen Bo­den­hal­ter nach dem Pri­vat­vertrag mit dem Bo­de­nei­gen­tü­mer. Das kam viel­leicht da­her, dass die meis­ten Bauern in der Pro­vinz Stammbewoh­ner der Dör­fer und Landgü­ter waren, de­ren Bo­den sie bes­tellten. Wenn Augus­tin (De civ. Dei X, 1) über Ko­lo­nen sprach, wies er auf die al­te Ety­mo­lo­gie die­ses Wor­tes zu­rück im Sin­ne “auf dem Land Woh­nen”, und nicht “das Land be­bauen”. Ver­mut­lich gal­ten nun vie­le Bauern, die man als Ko­lo­nen be­zeich­ne­te, als Bo­den­hal­ter, weil der Bo­den, der de jure jema­li­ges Eigen­tum po­pu­li Ro­ma­ni oder des Kai­sers war, an die Städ­te oder ein­zel­ne Per­so­nen in Be­sitz (pos­ses­sio, em­phi­teu­sis, ius per­pe­tuum) über­ge­ben wur­de. Da sie In­sas­sen waren, gal­ten sie als co­lo­ni ori­gi­na­les. Im Ge­gen­satz zu ih­nen nannte man die ein­gewan­der­ten Päch­ter, die sich im Landgut nie­der­ließen, in­qui­li­ni. Weder die einen noch die an­de­ren waren von Grund und Bo­den ab­hän­gig. Obwohl die meis­ten Forscher eini­ge Kom­men­ta­re der rö­mi­schen Juris­ten als einen Hinweis auf en­ge Ver­bien­den­heit der In­qui­li­nen mit dem Bo­den deu­ten, ist der Autor mit Fus­tel de Cou­lan­ges und J.-M. Car­rie ein­verstan­den, dass dann eine Rechtssi­tua­tion ge­meint ist und nicht der Sta­tus der Bauer (z. B. Dig. 30, 112). Im 3. Jh. gab es noch kei­ne Bauer, die juris­ti­sch an das Grundstück ge­bun­den waren, das sie be­bau­ten.

Als das rö­mi­sche Bür­ger­recht im 3. Jh. auf ländli­che Be­völ­ke­rung der Pro­vin­zen be­zo­gen wur­de, entstand die Fra­ge über ih­re ori­go. Die Bür­ger des Rei­ches hat­ten näm­lich die Dop­pel-bür­ger­schaft: die des Rei­ches und die der Stadtge­mein­de, der sie an­ge­hör­ten (ori­go). Die Um­sied­ler, die auf dem Ter­ri­to­rium frem­der ci­vi­ta­tes wohnten, waren dort in­co­lae. Die ein­hei­mi­schen Dorfbewoh­ner waren auf dem Stadtter­ri­to­rium for­mal in der Si­tua­tion sol­cher in­co­lae, denn die meis­ten von ih­nen hat­ten kei­ne Stadtbür­ger­schaft. Als sie bei Ka­ra­kal­la das rö­mi­sche Bür­ger­recht be­ka­men, ge­rie­ten sie in eine zwei­deu­ti­ge La­ge. For­mal ver­füg­ten sie über die rö­mi­schen Bür­ger­rech­te, aber in der Tat gab es kei­ne Be­din­gun­gen, um sie be­nut­zen zu kön­nen. Es tauch­te ein Prob­lem auf, ih­re hie­si­ge An­ge­hö­rig­keit juris­ti­sch zu bes­tim­men, d. h. ih­re ori­go. Eini­ge Juris­ten hiel­ten gleich Ul­pian für ih­re ori­go die Stadtge­mein­de, auf de­ren Ter­ri­to­rium sich die Dör­fer be­fan­den. An­de­re wei­ger­ten sich so­gar gleich Mo­des­tin, sie als in­co­lae zu ak­zep­tie­ren, weil sie mit dem Le­ben der Stadt nichts zu tun hat­ten. Die letzte Einstel­lung kann die­se neuern Bür­ger mit de­di­ti­cii gleich stel­len, die gar kei­ne Bür­ger­rech­te hat­ten. Auf den städ­ti­schen Ge­län­den im östli­chen Teil des Rei­ches war schon frü­her eine ähnli­che Ge­ge­nü­berstel­lung der Bür­ger und pa­roi­koi entstan­den.

Die tat­säch­li­che Un­vollbe­re­chig­keit der neuen Bür­ger bewirkte im Lau­fe des 3. Jh. die He­raus­bil­dung des be­son­de­ren sta­tus in­ge­nui­ta­tis, über den die Per­so­nen mit der Dop­pel­bur­ger­schaft ver­füg­ten. Da nur die­ser Sta­tus dem Bür­ger rich­ti­ge Vollbe­rech­tig­keit ge­ben konnte, be­müh­ten sich die Dorfbewoh­ner ihn zu be­kom­men. Vie­le Dorfge­mein­den wandten sich an die Kai­ser mit der Bit­te, ih­nen den Sta­tus eines Mu­ni­zi­piums zu ver­lei­hen, und be­ka­men ihn auch. In den Re­gio­nen mit weni­gen Mu­ni­zi­pien, z. B. Ägyp­ten, spiel­ten met­ro­co­miae die Rol­le der Stadtge­mein­den. Wohlha­ben­de Dorfbewoh­ner streb­ten da­nach, ein Eigen­tum oder einen Bo­den­be­sitz zu be­kom­men, was eine Vo­raus­set­zung für die Er­hal­tung der Stad­tan­ge­hö­rig­keit war. Die jeni­gen, die nur Bo­den­hal­ter geb­lie­ben waren, konnten nach dem rö­mi­schen Bür­ger­recht nur als co­lo­ni ori­gi­na­les be­zeich­net wer­den. Im Ge­gen­satz zu sta­tus in­ge­nui­ta­tis wur­de für sie ein be­son­de­rer sta­tus ori­gi­na­rium ge­bil­det. In dem Beg­riff co­lo­ni ori­gi­na­les sind die Entwick­lung des Pri­vat­rech­tes für Ko­lo­nen und die des öf­fentli­chen Rechts, was zum Ko­lo­nat ge­führt hat.

Die Bauern, die außer­halb der Stadtter­ri­to­rien, vor al­lem auf dem Land des Fis­kus und des Kai­sers wohnten, hat­ten objek­tiv kei­ne Orien­tie­rung auf die bür­ger­li­che ori­go in der Stadt. Die Hinwei­se auf Bef­reiung der kai­ser­li­chen und fis­ka­li­schen Ko­lo­nen von den städ­ti­schen mu­ne­ra, die seit dem An­fang des 3. Jh. in den juris­ti­schen Quel­len erschei­nen, be­deu­te­te den Entzug ih­rer Stad­tan­ge­hö­rig­keit. Als Or­te der Bür­ger­re­gistrie­rung gal­ten für sie Dör­fer und große Landgü­ter, da­rauf be­zo­gen, bil­de­te sich die rechtli­che Fik­tion der städ­ti­schen ori­go ñ.260 he­raus. Al­so be­gon­nen große Landgü­ter nicht auf den städ­ti­schen Ter­ri­to­rien, son­dern auf den staat­li­chen ih­re qua­si-mu­ni­zi­pa­le Funktion zu über­neh­men die sie zum Teil der ge­sell­schaftlich-ad­mi­nistra­ti­ven Struk­tur des Rei­ches mach­te. Die Er­le­di­gung der ori­go der Ko­lo­nen fi­xier­te ih­re Zu­ge­hö­rig­keit zu einen Dorf oder einen Gut, die nicht einen rein fis­ka­li­schen, son­dern bür­ger­li­chen Cha­rak­ter hat­te. Der Ko­lon hat da­bei sei­ne Um­sied­lungsfrei­heit nicht ver­lo­ren, aber sei­ne ori­go, mit der ge­sell­schaftli­che mu­ne­ra ihn ver­ban­den, war schon bes­timmt. Am neuen Ort konnte er nur do­mi­ci­lium ha­ben und nur ein in­qui­li­nus sein. Da der Bauer aber die mu­ne­ra in zwei verschie­de­nen Or­ten gleich­zei­tig nicht er­fül­len konnte, schuf die Fi­xie­rung der ori­go eine Vo­raus­set­zung für Ge­set­ze über die Rück­kehr von co­lo­ni ori­gi­na­les. Zuerst aber nur für die kai­ser­li­chen und staat­li­chen Gü­ter.

Die drit­te Grup­pe der Bauern, die man un­ter dem Beg­riff co­lo­ni verstand, bes­tand aus den Einwoh­nern der Dör­fer, Ge­mein­den und gen­ti­li­ta­tes, die kei­ne rö­mi­schen Bür­ger­rech­te be­kom­men ha­ben und als de­di­ti­cii gal­ten.


Die Entste­hung der Bo­den­bin­dung der Ko­lo­nen nach den An­ga­ben der kai­ser­li­chen Ge­setzge­bung.

Die Ge­setzge­bung lasst vier Stu­fen in der Entwick­lung des Ko­lo­nats her­vor­he­ben: Jah­re 313—364, 365—408, 408—474, 474-(534)565. Die Re­form von Diok­le­tien, mit der die An­hän­ger der fis­ka­li­schen Her­kunft des Ko­lo­nats den An­fang sei­ner spä­tan­ti­ken Pe­rio­de in Zu­sam­men­hang brin­gen, su­chen der pro­vin­zia­len Ge­sell­schaft einen bür­ger­li­chen Cha­rak­ter zu ver­lei­hen. Allge­mei­ne Verbrei­tung der bür­ger­li­chen ho­no­res et mu­ne­ra wur­de von man­chen an­ti­ken Auto­ren, be­son­ders den christli­chen, als eine har­te Steue­rer­hö­hung auf­ge­nom­men. Das war der Grund, dass dem Fis­ka­lis­mus in den Quel­len eine entschei­den­de Be­deu­tung in der Staatspo­li­tik zu­gespro­chen wur­de.

Der Be­schluss von 332 (CTh. V, 17, 1), auf den man die Bo­den­bin­dung der Ko­lo­nen zu­rück­führt, hat­te im Ori­gi­nal einen pri­va­ten Cha­rak­ter. Er bet­raf entwe­der eine konkre­te Ko­lo­nengrup­pe oder nur kai­ser­li­che Bauern. Eine mo­der­ne Ges­talt be­kam die­se Konsti­tu­tion in­fol­ge der Re­dak­tion in Ko­dex Theo­do­sia­nus. Es sind kei­ne Ge­set­ze aus den Zei­ten von Konstan­tin, Konstan­tius und Julian er­hal­ten geb­lie­ben, in de­nen die Ab­hön­gig­keit der Ko­lo­nen ih­ren Nie­derschlag ge­fun­det hat, außer den kai­ser­li­chen.

Sol­che Ge­set­ze erschei­nen da­ge­gen in großer Zahl un­ter Va­len­ti­nien I. Viel­leicht ist das mit großem Aus­ver­kauf des staat­li­chen Bo­dens in der zwei­ten Hälfte des 4. Jh. ver­bun­den. Autop­ra­gia, die auf den kai­ser­li­chen Län­dern seit der Epo­che Diok­le­tiens be­kannt war, be­zog sich jetzt auch auf die Pri­va­tei­gen­tü­mer. Ih­re Gü­ter wur­den nun als ori­go bet­rach­tet, gleich den qua­si-bür­ger­li­chen Or­ten. Die Ein­füh­rung der neuen ad­mi­nistra­ti­ven Ordnung dauer­te von 366 bis 386. Pa­läs­ti­na war die letzte Pro­vinz, wo die Ko­lo­nen 386 Um­sied­lungsfrei­heit ver­lo­ren ha­ben. Hier waren sie kei­ne Bür­ger, son­dern de­di­ti­cii. Die Ko­lo­nen-Bür­ger wur­den durch ih­re Zu­ge­hö­rig­keit in gewis­sem Mas­se den de­di­ti­cii gleich­ges­tellt, was eine Auswir­kung auf ih­ren ge­sell­schaftli­chen Sta­tus ha­ben musste. Ne­ben den co­lo­ni ori­gi­na­les wur­den auch in­qui­li­ni ab­hän­gig. Ge­gen 400 hat sich der Stand der ab­hän­gi­gen Ko­lo­nen im großen und gan­zen he­raus­ge­bil­det.

Eine große Rol­le hat in der Entwick­lung des Ko­lo­natsrechts die Zeit­pe­rio­de von 419 bis 438 ges­pielt, wo die Lo­gik der Ge­richtsver­hand­lun­gen auf Grund des 30-jah­ri­gen lon­gi tem­po­ris praescrip­tio geübt wur­de. Sein Geb­rauch nach der He­raus­ga­be von Ko­dex Theo­di­sia­nus be­dingte das Enschei­nen einer neuen Ka­the­go­rie der Ko­lo­nen, die von den Päch­tern stammten, die auf dem Gut mehr als 30 Jah­re ge­lebt ha­ben. In den Ge­set­zen des östli­chen Rei­ches heißen die­se Ko­lo­nen co­lo­ni li­be­ri. Nach der 31. No­vel­le von Va­len­ti­nien III, gab es sie auch im Wes­ten. Dass sie ih­re pri­va­te Frei­heit und das Ver­mö­gensrecht bewahrt ha­ben ist da­durch zu erklä­ren, dass sie ori­go in der Stadtge­mein­de hat­ten, zum Un­terschied von co­lo­ni ori­gi­na­rii. Auf dem Gut wur­de nur ihr do­mi­ci­lium fi­xiert.

Die Be­zeich­nun­gen der ab­hän­gi­gen Ko­lo­nen adscrip­ti­cii im Os­ten und ori­gi­na­rii im ñ.261 Wes­ten wur­den durch un­terschied­li­che Rechtstra­di­tio­nen be­dingt. Das rö­mi­sche Recht im Wes­ten orien­tier­te sich nach dem bür­ger­li­chen Prin­zip ori­go. Der ähnli­che hel­le­nis­ti­sche Beg­riff idia war mehr mit den Stät­ten nicht der bür­ger­li­chen, son­dern der fis­ka­li­schen Re­gistrie­rung ver­bun­den, was durch den rö­mi­schen Ter­mi­nus adscrip­tio bes­ser aus­ged­rückt wur­de. Es ist mög­lich, dass die Be­deu­tung des Be­schlus­ses von Anas­ta­sius, des­sen be­kannter Auszug adscrip­ti­cii et co­lo­ni li­be­ri vo­nei­nan­der trennte (CJ. XI, 48, 19), da­rin bes­tand, dass er mit dem ein­heit­li­chen Sta­tus co­lo­ni li­be­ri al­le an­gewan­der­ten Per­so­nen, gleich stellte, die auf dem Gut mehr als 30 Jah­re ver­lebt hat­ten. Da­durch war die Be­zie­hung die­ses Sta­tus zur Stad­tan­ge­hö­rig­keit be­sei­tigt. Un­ter Jus­ti­nian wur­de lon­gi tem­po­ris praescrip­tio für Ko­lo­nen auf­ge­ho­ben und sie wur­den zu lei­bei­ge­nen Bauern.


Ländli­che Pat­ro­ci­nii und kai­ser­li­che Po­li­tik in der zwei­ten Hälfte des 4. — erster Hälfte des 6. Jh.

Das Pat­ro­nat war eine ar­chai­sche, aber verbrei­te Form der ge­sell­schaftli­chen Ver­hältnis­se in der An­ti­ke. Im so­zial­po­li­ti­schen Sys­tem des Rö­mi­schen Rei­ches gleich das Pat­ro­nat und der Staat­sap­pa­rat einan­der so­zu­sa­gen aus. Die Auf­merksam­keit zum Pat­ro­nat in der Ge­setzge­bung der zwei­ten Hälfte des 4. Jh. war nicht mit einer neuen Erschei­nung ver­bun­den, son­dern mit neuer Po­li­tik in be­zug auf ländli­che Be­völ­ke­rung. Die An­sammlung der östli­chen Be­schlus­se mit pat­ro­ci­nii vi­co­rum in Ko­dex Theo­do­sia­nus ist nicht da­mit ver­bun­den, dass die­se Erschei­nung im Wes­ten fehlte, son­dern mit un­terschied­li­chem Ad­mi­nistra­tionsbau der westli­chen und östli­chen Pro­vin­zen. Im Os­ten er­fül­len met­ro­co­miae et ko­mae (vi­ci) die Rol­le der westli­chen Mu­ni­zi­pien.

Die neue Staatspo­li­tik in be­zug auf pat­ro­ci­nii war ver­bun­den mit der Verwandlung der Grundbe­sit­zern, die autop­ra­gia be­ka­men, in Pat­ro­nen ih­rer Ko­lo­nen. Auf ähnli­che Wei­se wur­den de­fen­so­res ci­vi­ta­tes (ple­bis), die übe­rall im Reich von Va­len­ti­nien I. ein­ge­führt wur­den, zu of­fi­ziel­len Pat­ro­nen selbstän­di­ger Bauern. Die ehe­ma­li­gen Pat­ro­nen der Städ­te, Dör­fer und ein­zel­ner Bauern, die kei­ne of­fi­ziel­le Bes­tä­ti­gung als de­fen­so­res be­kom­men hat­ten, wur­den für un­ge­setzlich erklärt. Der Ver­kauf des Staatsbo­dens an die Pri­va­tei­gen­tü­mer hat­te zur Fol­ge, dass po­ten­tio­res Mit­te des 5. Jh. weit und breit Grundstü­cke der Bauern auf­kauf­ten im Aus­tau­sch ge­gen pat­ro­ci­nii. Ein­kauf oder Pacht des Bauernbo­dens mach­ten pat­ro­ci­nium, das jetzt als un­ge­setzlich galt, an­geb­lich ge­setzlich.


Ve­rän­de­rung des Sta­tus der spät­rö­mi­schen Ko­lo­nen im 4.-5. Jh.

Es han­delt sich um die An­ga­ben der kai­ser­li­chen Ge­setzge­bung über das Kla­ge­recht der Ko­lo­nen, die Einstel­lung der Ko­lo­nen zur Mi­li­tär­dienst, Bin­dung der Ko­lo­nen an das Gut und des­sen Herrn, Rech­te des Gutsherrn als do­mi­nus und pat­ro­nus der Ko­lo­nen, Eigen­tumsrecht auf Ko­lo­nen, über “Frei­heit” und “Skla­ve­rei” der Ko­lo­nen, ih­ren Bür­gersta­tus und Be­hand­lung ih­res Ver­mö­gens als Pe­ku­lium. Nach all die­sen Merkma­len be­gann sich der Sta­tus der Ko­lo­nen um die Wen­de des 4. Jh. zu ve­rän­dern. Im 5. Jh. — An­fang des 6. Jh. gab es einen be­son­de­ren Sta­tus des Ko­lo­nen, der sei­ne Rechtsla­ge bes­timmte und ihn sowohl von Skla­ven als auch von unab­hän­gi­gen Ple­bejern un­terschied. Er ba­sier­te auf Bo­den­bin­dung der Ko­lo­nen, ih­rer Pflicht, den Bo­den zu bear­bei­ten und die da­mit ver­bun­de­nen mu­ne­ra zu er­le­di­gen, Un­terstel­lung dem Bo­de­nei­gen­tü­mer.

Der Ko­lo­nensta­tus ist nur in gewis­sem Mas­se mit dem Sta­tus der Skla­ven und der Freien zu verglei­chen. Sie ge­hör­ten zu verschie­de­nen Sys­te­men der ge­sell­schaftli­chen Ver­hältnis­se und ba­sier­ten auf verschie­de­nen Kri­te­rien. An­ti­ke Skla­ve­rei und Frei­heit ge­hör­ten in das an­ti­ke Rechtssys­tem der Per­so­nen. Das Ko­lo­nat ba­sier­te auf der Ab­hän­gig­keit von Gut — Bo­den — Herrn. Das rö­mi­sche Recht such­te die Ab­hän­gig­keit des Ko­lo­nen in das bes­te­hen­de Per­so­nen­sys­tem ein­zu­schließen. Un­ter Jus­ti­nian wur­de der Ver­such un­ter­nom­men, den Sta­tus co­lo­ni adscrip­ti­cii dem des Skla­ven gleich­zus­tel­len. Das hat­te eine bes­timmte Auswir­kung auf die Ge­setzge­bung, die in sei­nem Ko­dex er­hal­ten geb­lie­ben und in die­ser Hin­sicht stark kor­rie­gertwor­den war.

Im Vergleich mit den unab­hän­gi­gen Bauern ha­ben die Ko­lo­nen das Recht ver­lo­ren, sich ñ.262 selbststän­dig für den Mi­li­tär­dienst be­reit­zus­tel­len, in Kle­rus ein­zut­re­ten, Stad­täm­ter zu bek­lei­den. Ih­re Le­benstä­tig­keit be­schränkte sich auf Fel­dar­bei­ten. Sie ge­rie­ten in do­mi­nium et po­tes­tas des Gutsherrn, der über das Eigen­tumsrecht auf sie ver­füg­te. Wie Skla­ven und Frei­ge­las­se­ne konnten sie nicht ge­gen ih­ren Herrn im Ge­richt zeu­gen. Sie dürften dort nur über su­pe­re­xac­tio oder Gewalt kla­gen. Ihr Bür­gersta­tus hat sich in sta­tus ori­gi­na­rium verwan­delt. In der Ge­setzge­bung hieß er manchmal for­tu­na me­dia, was ihn der Le­bensla­ge der Frei­ge­las­se­ne nä­her brach­te. Un­ter den Ko­lo­nen gab es of­fen­bar nicht weni­ge Frei­ge­las­se­ne, die über den Sta­tus La­ti­ni Junia­ni und so­gar pe­re­gri­ni de­di­ti­cii ver­füg­ten. Ihr Sta­tus war teils dem freien, teils dem skla­vi­schen ähnlich, wie der der Ko­lo­nen Ihr Ver­mö­gen galt als pe­cu­lium. Dass die Ko­lo­nen eige­nes Grundstück be­saßen, widersprach dem letzte­ren nicht. Die Skla­ven konnten auch ihr pe­cu­lium vergrößern.


Ehe­ge­setzge­bung für Ko­lo­nen im 4.—6. Jh.

Re­ge­lun­gen über Ehe­schließung der Ko­lo­nen mit den Per­so­nen an­de­rer Be­rufsgrup­pen und Städ­te erschie­nen in der kai­ser­li­chen Ge­setzge­bung der Ko­de­xe in der zwei­ten Hälfte des 4. Jh. Vie­le Konsti­tu­tio­nen, die nur in Frag­men­ten in Ko­dex Jus­ti­nia­nus er­hal­ten geb­lie­ben sind, ver­mit­teln kein ein­heit­li­ches Bild von dem Ehe­ge­setz der Ko­lo­nen. Vor dem An­fang des 6. Jh. gal­ten rö­mi­sche Ehe­ge­set­ze für Ko­lo­nen. In al­len Ehen der Ko­lo­nen mit Freien folgten die Kin­der dem Va­ter. Falls sich die Ko­lo­nen aus zwei verschie­de­nen Landgü­tern ver­hei­ra­te­ten, sollte die Fa­mi­lie er­hal­ten blei­ben, und einer der Bauern zahlte die Entschä­di­gung für einen der El­tern, der aus dem frem­den Gut stammte und die Kin­der, die ihm zu­fal­len sollten. Nur eini­ge Frag­men­te der Be­schlus­se (von 427 und 465) schei­nen zu ver­su­chen, über die Nor­men hi­nauszu­ge­hen, die die Freien bet­ref­fen. Aber die Kin­der der Ko­lo­nen und der Toch­ter der Ku­ria­len ge­hör­ten schon 458 in or­do cu­ria­lium.

Die Si­tua­tion än­der­te sich un­ter Jus­ti­nian, ver­mut­lich in der Zeit zwi­schen 531 und 534. Die Ehe­be­zie­hun­gen der Ko­lo­nen zu den Freien wur­den nun wie die der Skla­ven ge­re­gelt. Der erste Be­schluss, laut dem die Kin­der von den Ehen der adscrip­ti­cii mit den freien Frauen dem Sta­tus der Mut­ter folgten, ge­hört in das Jahr 534. Al­so, galt die Ehe ih­rer El­tern als un­ge­setzlich. Das hat­te zur Fol­ge, dass die Juris­ten den Be­schluss, der SC Clau­dia­num auf­hob, nicht nur auf die Ehen freier Frauen mit Skla­ven, son­dern auch auf adscrip­ti­cii be­zo­gen. Wenn in den Be­schlüs­sen von Ko­dex Theo­do­sia­nus den Ko­lo­nen­her­ren empfoh­len wur­de, die Ko­lo­nen von unerwünschten Ehen ab­zu­hal­ten, so ver­such­te die Ge­setzge­bung Jus­ti­nia­nus 534—540 Ehe­schei­dung der Ko­lo­nen aus verschie­den Landgü­tern und Ver­tei­lung von Kin­dern zwi­schen ih­ren Her­ren di­rekt vor­zu­schrei­ben. Der nach Il­ly­rien Be­schluss Jus­ti­nians von 540 (App. 1) ging nicht über die Nor­men hi­naus, die zu jener Zeit ein­ge­führt wur­den. Im klas­si­schen und nachklas­si­schen rö­mi­schen Recht wur­de die Tren­nung der Kin­der von den El­tern nicht ein­mal in be­zug auf die Skla­ven empfeh­len. Die grau­sa­men Re­geln des neuen jus­ti­nia­ni­schen Rech­tes wur­den 542 auf­ge­ho­ben.


Nachwort.

Kann man kommt wie­der auf die Idee zu­rück­ge­kom­men da­rum die Entwick­lung des so­zial-rechtli­chen Struk­tur im spät­rö­mi­schen Reich nach dem Vor­bild der an­ti­ken Bür­ger­ge­mein­de. Ih­ren lo­gi­schen Abschluss hat die­se Entwick­lung in der Epo­che Jus­ti­nians er­reicht, der al­le Frei­hei­ten dem rö­mi­schen Bür­ger­recht gleichstellte. Adscrip­ti­cii, die schon frü­her im 5. Jh. sta­tus ci­vi­ta­tis = in­ge­nui­ta­tis ver­lo­ren hat­ten, blie­ben nun in Fol­ge der Re­for­men Jus­ti­nians außer­halb der Bür­ger, als auch der Freien. Ihr Per­so­nen — und Rechtssta­tus nä­her­te sich ra­pi­de dem der Skla­ven.

Das in Ko­dex Jus­ti­nia­nus er­hal­te­ne Ko­lo­nat trat in die­ser Fas­sung in der Rol­le der Lei­bei­gen­schaft auf, die als Grundla­ge für Ges­tal­tung der Lei­bei­gen­schaft der Bauern in mit­te­lal­ter­li­chen Euro­pa, By­zanz, Russland ge­dient hat. Der Sta­tus des lei­bei­ge­nen Bauern wird dort nicht be­han­delt, was da­durch be­dingt ist, dass sich die­ses Recht auf Grund des an­ti­ken rö­mi­schen Rechts entwi­ckel­te, das schon über ein idea­les Mo­dell eines Aus­ge­beu­te­ten ver­füg­te — den Skla­ven.

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