Apoxyomenos.

Marble. Roman copy of the 1st century CE of a bronze original by Lysippos ca. 320 BCE.
Inv. No. 1185.

Rome, Vatican Museums, Pius-Clementine Museum, Apoxyomenos Cabinet, 42
(Musei Vaticani, Museo Pio-Clementino)

Origin:
From Trastevere. Vicolo dell’Atleta, 1849.
Description:
Deutsch 67. Statue des Apoxyomenos nach Lysipp (Taf. XI).

H. 2,05 m. Feinkörniger gelblicher Marmor mit einigen grauen Stellen (z. B. Kinn).

Ergänzt untere Hälfte der Nase, Stück des r. Oberlides, l. Ohr, einzelne Locken oben und links, fast die ganze Stütze der l. Hand, Ende des Stieles des Strigel und ihre Krümmung mit der Spitze des Daumens, alle Finger der r. Hand (waren auch in antiker Zeit schon ergänzt, wie sich aus erhaltenen Stiften ergab) mit dem Würfel, die Spitze des grofsen Zehen und grofse Teile der übrigen an beiden Füfsen, die Ränder der Basis mit einem Stück des Stammes unten. Gebrochen war l. Schulter mit Arm, l. Hand am Gelenk, r. Oberarm in der Mitte, r. Hand oberhalb des Gelenks und der Stütze, l. Bein dicht unter dem Gesäfs, r. Bein unter dem Knie und über dem Knöchel. Stark geputzt und weifs getüncht.

Ein Jüngling steht aufrecht mit l. Standbein. R. Fufs mit erhobener Ferse seitwärts gesetzt. Hinter dem l. Bein ein Stamm. R. Arm wagerecht vorgestreckt. L. Arm quer vor die Brust erhoben; die Hand hält eine Strigilis, deren Krümmung den r. Unterarm dicht vor dem Ellenbogen berührt. Der Kopf mit lockigem Haupthaar und Bartflaum auf den Wangen leicht nach der rechten Schulter gewendet und geneigt. Eine Stütze verbindet das l. Handgelenk mit der Brust (der Ansatz an der Brust antik); eine grofse Stütze verband den r. Oberschenkel mit dem r. Handgelenk (beiderseits Ansätze erhalten; sie wurde mitgefunden, dann aber der störenden Wirkung wegen bis auf die erhaltenen Ansätze weggearbeitet). Auf der Plinthe finden sich zwischen den Füfsen vorne zwei Klammerbahnen, dazwischen ein rechteckiges Loch, hinten eine Bahn und nach dem Stamme zu ein Loch; jedenfalls diente all das zur Befestigung der Statue auf der ursprünglichen Basis.

Die nach Angaben von Canina durch Tenerani geleitete Ergänzung (Bullettino d. I. 1851 S. 91 f. ) hat in der Herstellung der rechten Hand geirrt: der Würfel ist ganz sinnlos (nach der falsch verstandenen Stelle des Plinius n. h. XXXIV 55 wollte Canina dadurch die Figur zu einer Copie des nudus talo incessens des Polyklet machen, den er für ein und dieselbe Figur mit dem destringens se desselben Künstlers erklärte); der kleine Finger müfste den Handballen berühren, wo sich ein Ansatz von ihm erhalten hat.

S. 87 Die Figur ist bald als eine vorzüglich gearbeitete Copie der Bronzestatue des Apoxyomenos von Lysipp erkannt worden; dieses Resultat, das man bisher aus dem Motiv und Stil des Werkes erschlofs, kann neuerdings sicherer basirt werden auf den Vergleich mit den Resten eines Weihgeschenkes in Delphi, der griechischen, in Marmor ausgeführten Copie einer gröfseren Gruppe von Bronzestatuen, in denen Lysipp die Familie des Daochos zu Pharsalos in Thessalien dargestellt hatte (s. den Nachweis bei E. Preuner Ein delphisches Weihgeschenk). Insbesondere die mit dem Kopf erhaltene Figur des Agias, deren Original nach der Inschrift von Lysipp selbst gearbeitet worden war, bietet die deutlichsten stilistischen Analogien zum Apoxyomenos (s. die Publication der delphischen Gruppe durch Homolle im Bulletin de corr. hell. 1900 S. 421 ff. Taf. IX—XII u. XXIV—XXVI).

Gefunden unter Canina’s Leitung im September 1849 in Trastevere in dem ehemals Vicolo delle Palme genannten Sträfschen (jetzt Vicolo dell’ atleta; s. Lanciani Pianta di Roma, Taf. 28) vor einem noch heute an seiner äufseren Treppe und den Resten eines mittelalterlichen Porticus kenntlichen Hause ca. 36 Palmen (= 8 m.) unter dem Boden in den Trümmern eines umfangreichen Gebäudes aus der späteren Kaiserzeit (wahrscheinlich eines Bades) mit dem Bronzepferd des Conservatoren-Palastes (Helbig Nr. 635). Die Arbeit der Copie stammt aus der besten Zeit; das Original war, wie eine Stelle des Plinius (n. h. XXXIV 19) beweist, seit den Zeiten des Agrippa in Rom und besonders beliebt. Die Statue wurde sofort vom Vatican erworben und an ihrem jetzigen Platze aufgestellt.

Eine genaue Replik ist bisher nicht nachgewiesen; der Torso einer Figur mit gleichem Motiv, aber verändertem Standbein ist in Athen (Köhler Athen. Mitth. 1877 S. 57 Taf. IV; v. Sybel Katalog der Skulpturen zu Athen Nr. 4787; Arndt-Amelung Einzel-Aufnahmen Nr. 722).

Canina Bullett. d. I. 1849 S. 161ff.; Braun Annali. d. I. 1850 S. 223ff.; Mon. d. I. V Taf. XIII; Clarac 848B 2168A; Braun Ruinen und Museen Rom’s S. 239 Nr. 7; Brunn Geschichte der gr. Künstler2 I S. 256 u. 261f.; Murray History of greek sculpture II S. 342f. Taf. XXXI; Lucy S. 88 Mitchell Hist. of anc. sculpt. S. 516ff. Fig. 219; Rayet Monum. de l’art ant. II Taf. 47 (Text von Collignon); Küppers Der Apoxyomenos des Lys. u. die griech. Palästra; Kekulé Gruppe des Künstl. Menelaos S. 34ff.; Treu Hermes mit dem Dionysosknaben S. 12; Kekulé Über d. Kopf des praxit. Hermes S. 25ff.; Friederichs-Wolters Bausteine Nr. 1264; Baumeister Denkm. d. klass. Altert. II S.843 Fig.925; Löwy Lysipp und seine Stellung in d. gr. Plastik S. 7 Fig. 2; Paris La sculpture ant. S. 294 Fig. 150; Overbeck Geschichte d. gr. Plastik4 II 3 S. 157ff. Fig. 182; Brunn-Bruckmann 281 u. 487; Kopp 52. Berliner Winckelmanns-Progr. S. 10f. Taf. I 1; Kalkmann 53. Berliner Winckelmanns-Progr. S. 41; S. 91 u. 103 Nr. 46; S. 97 u. 108 Nr. 100; Collignon Histoire de la sculpt. gr. II S. 415ff. Fig. 218; Zimmermann Allgemeine Kunstgeschichte I S. 230 Abb. 179; S. Reinach Répertoire de la statuaire II S. 546, 2; Helbig Nr. 32; Petersen Vom alten Rom S. 122f. Abb. 105; Kekule Sitzungsber. der Berl. Akad. 1899 S. 287; B. Graef Strena Helbigiana S. 108f.; Winter Kunstgeschichte in Bildern I Taf. LXIII; Springer-Michaelis Handbuch der Kunstgeschichte S. 254 Fig. 450; Reber-Bayersdorfer Skulpturenschatz Taf. 85; Luckenbach Abbildungen zur alt. Geschichte S. 45 Fig. 96.

Photographie Alinari 6510 (4); 11824 (Album u. Extra); 11825; 6511 (Kopf); Anderson 1315 (4); 4026 u. 5300 (Kopf); Moscioni 2249; 2249A; 2251; Rocca 781; 781A; 2047 (fol.); 400 (cab.); 1921 (Kopf).

Credits:
© 2006. Photo: S. Sosnovskiy.
© 1903. Text: W. Amelung. Die Sculpturen des Vaticanishen Museums. Berlin, 1903. Band I. S. 86—88.
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