Roman male portrait bust
Fine-grained yellowish marble. Age of Trajan (98117 CE).
Height 78 cm.
Rome, Vatican Museums, Chiaramonti Museum, New wing, 102 Photo by Sergey Sosnovskiy

Roman male portrait bust.

Fine-grained yellowish marble. Age of Trajan (98117 CE).
Height 78 cm.

Rome, Vatican Museums, Chiaramonti Museum, New wing, 102
(Musei Vaticani, Museo Chiaramonti)

Origin:
Found near Tor Sapienza before Porta Maggiore in 1830 or 1831.
Description:
Deutsch 106. Römische männliche Porträtbüste (Taf. XVII).

H. 0,78 m. Feinkörniger gelblicher Marmor.

Ergänzt Nase bis auf einen Teil der l. Seite, Ränder beider Ohren, viereckige Basisplatte. Gewand und Armstumpf bestofsen.

Oben und unten einfach profilierter, runder Fufs; darüber ein in der gleichen Weise profiliertes viereckiges S.121 Zwischenstück (kein Indextäfelchen), dann trajanische Achselbüste mit ausgebildeten Armstumpfen; auf der l. Schulter ein Stück des Mantels mit Knopf. Der Kopf energisch nach der r. Schulter gewendet; kurzer Vollbart, lockiges Haar in vollen Strähnen gehalten; Brauen plastisch; schmales Gesicht; zurücktretendes Kinn. Ein Mann in den Dreifsigen mit mattem Ausdruck. Gute Arbeit.

Fälschlich Lepidus genannt; s. darüber, wie über Herkunft Nr.  97A. Auch hier an der r. Seite der Stütze C C 1831. Stand zunächst an der Stelle von Nr. 24.


Pistolesi, Taf. IX4; Braun, Ruinen und Museen S. 253 Nr. 18; Bernoulli, Röm. Ikonographie I S. 221 ff. Fig. 32; S. Reinach, Chroniques dorient, 2. sér. 189195 S. 411; Helbig, Nr. 47; Crowfoot Journal of hell. studies 1900 S. 37.

Photographie Alinari 6593 (2); beim röm. Institut Nr. 680.

Text: W. Amelung. Die Sculpturen des Vaticanishen Museums. Berlin, 1903. Band I. S. 112113.

Der Triumvir Lepidus. (Münztaf. IV. 99. 100.)
(J. J. Bernoulli. Römische Ikonographie. T. I. Die Bildnisse berühmter Römer. 1882. S. 220224).

M. Lepidus ist der Sohn jenes Consuls Lepidus, der im Jahre 78 v. Chr. einen unüberlegten Versuch zum Sturz der sullanischen Verfassung machte und im folgenden Jahre starb. Sein Geburtsjahr kennen wir nicht; wir wissen aber, dass er bis zum Jahre 13 v. Chr. lebte, dass er also ein hohes Alter erreichte, indem nur schon vom Tode seines Vaters an bis dahin 64 Jahre verflossen. Die politische Stellung, die er eine geraume Zeit als Anhänger Caesars und dann als Triumvir neben Antonius und Octavian einnahm, stand in keinem Verhältnis zu seinen geistigen Fähigkeiten. Er verdankte sie seinem Reichtum und seiner Vornehmheit und dem Umstand, dass ihn die Machthaber für ihre Zwecke nötig hatten. Auch sittlich war er nichts weniger als ein grosser Mann, vielmehr schlaff, charakterlos und ohne Ehrgefühl, nur von seiner Eitelkeit zu einer angestrengteren Thätigkeit gespornt1. Sein Bildnis ist noch auf verschiedenen Münzen erhalten, die S.221 zur Zeit des Triumvirats geschlagen wurden2, am besten auf einem Goldstück des Livinejus Regulus, Münzmeisters im Jahre 43, mit nach rechts gekehrtem Kopf (abg. Münztaf. IV. 99)3; ausserdem aber auf Goldstücken von dessen Collegen Mussidius Longus (abg. Münztaf. IV. 100)4 und P. Clodius5, mit Kopf nach links; endlich auf Goldstücken und Denaren, auf deren Revers der Kopf des Octavian oder des Antonius6. Ueberall erscheint er bartlos, mit schlichtem vollem Haar, von verhältnismässig jugendlicher Bildung; doch herrscht im Einzelnen keine genaue Uebereinstimmung. Auf der des Livinejus ist er dem M. Brutus ähnlich, mit stumpfer, nicht in der Stirnflucht liegender Nase. Auf den andern ist die Nase spitzer, das Kinn zuweilen vortretend, das Profil gerade.

Diese Abweichungen zwischen den einzelnen Typen erschweren das Auffinden von Marmorbildnissen ungemein, obgleich kaum daran zu zweifeln ist, dass noch solche von ihm vorhanden. Mochte Lepidus auch an Macht und Ansehen hinter den anderen Triumvirn zurückstehen, so hatte er doch selbstverständlich seinen Teil an den Ehren und Huldigungen, die ihnen jeweilen entgegengebracht wurden. Schon vor dem Abschluss ihres Bundes hatte Cicero im Senat beantragt, dass ihm eine vergoldete Reiterstatue auf der Rednerbühne sollte errichtet werden7. Dieselbe wurde zwar, als Lepidus bald darauf für einen Feind des Vaterlandes erklärt wurde, für kurze Zeit entfernt8, doch gewiss nur, um bei der Gründung des Triumvirats wieder aufgerichtet oder durch andere ersetzt zu werden.

Unter den erhaltenen Denkmälern, die dem Lepidus zugeteilt werden, steht oben an:
Die schöne Büste des Braccio nuovo im Vatican Nr. 106 (abg. Fig. 32)9, welche zusammen mit einem Octavian (j. angeblich im Pal. Casali) und einem Antonius (Braccio nuovo Nr. 96 A) gefunden sein soll, und deren Bezeichnung eben deshalb eine gewisse Autorität S.222 erlangt hat10. Sie zeigt den Kopf eines jungen Römers mit etwas gelocktem, sorgfältig ausgearbeitetem Haare, von mageren Formen, zugespitztem Profil, schmaler, länglichter Nase und abfallendem Kinn; letzteres, wie auch Lippen und Wangen, von keimendem Barte bedeckt. Dem physiognomischen Ausdruck nach ein Mann von lebendigem Temperament, aber ohne hervorragende Bedeutung nach Seite des Geistes oder des Willens. Wenn die mitgefundenen Büsten wirklich seine Collegen im Triumvirat darstellten, so läge trotz dem Barte eine nicht zu leugnende Wahrscheinlichkeit für Lepidus vor. Allein die Bezeichnung des angeblichen Antonius (s. oben p. 207) ist offenbar falsch, und die Behauptung, dass beide eine völlig gleiche Behandlung zeigen (E. Braun) meines Erachtens ebenfalls. Man sieht dies namentlich an den Haaren, die nicht bloss ihrem Charakter S.223 nach verschieden, sondern auch von verschiedener Hand und schwerlich gleichzeitig gearbeitet sind. Die des Lepidus im Stil der augusteischen Zeit, die des Antonius in dem des 2. Jahrhunderts, obgleich allerdings die Haare der Augbrauen und die Pupillen bei letzterem nicht angegeben sind. Ist man aber bei unserer Büste einzig auf die Münzen verwiesen, so ist ihre Uebereinstimmung mit denselben viel zu gering, um darauf eine Namengebung zu begründen.

Dieser vermeintliche Lepidus ist nun zur Grundlage von noch weiteren Taufen gemacht worden. Hauptsächlich mit Berufung auf ihn hat P. Erc. Visconti einen bartlosen Kopf von Parma (abgeb. Gazette archéol. 1879 pl. IX. 2, vgl. p. 61)11 auf Lepidus gedeutet. Die kleinen Unterschiede erklärt er durch das höhere Alter desselben. Er sei hier etwa zur Zeit des sicilianischen Krieges (36 v. Chr.), dort als Triumvir (43) dargestellt, daher die Büste zu Parma in den Formen um ein Weniges voller.  Ebenfalls nach der vaticanischen Büste benannt und wieder bärtig ein Kopf des Museo Torlonia Nr. 414. In Wahrheit bleibt aber beidemal die Identität der Person höchst zweifelhaft.

Bloss auf der Vergleichung mit den Münzen beruht der Name Lepidus bei dem in Paris gefundenen, durch Caylus ins Cabinet, d. Médailles gekommenen Bronzekopf, der früher Coelius Caldus genannt wurde (Chabouillet Cat. gén. Nr. 3120)12. Das Verdienst dieser Entdeckung gebührt Duchalais, von dem die Publication in den Mémoires de la soc. des antiquaires de France herrührt. Sie wird von Chabouillet als généralement adoptée bezeichnet, was indes die Richtigkeit derselben noch nicht beweist. Ein in Paris zum Vorschein gekommener Bronzekopf, für dessen Bedeutung sich nichts sagen lässt, als dass er einige Aehnlichkeit mit den Lepidusmünzen hat (der Abbildung nach hauptsächlich nur mit der des Livinejus), bleibt vorderhand besser namenlos. Dasselbe gilt in noch höherem Grade von dem pompejanischen (jetzt Sulla genannten) Bronzekopf in Neapel (Br. dErc. I. Tf. 43. 44), bei dem man umgekehrt eher die Münze des Mussidius zu Grunde legen müsste, und bei der übrigens unbedeutenden Marmorbüste im Museo archeol. des Dogenpalastes zu Venedig Nr. 81 (abgeb. Zanetti I. 3). Wie man endlich bei dem Kopf des Louvre Nr. 382 (abgeb. Clar. pl. 1089)13, Aehnlichkeit mit den Münzen hat sehen können, S.224 begreife ich nicht. Er gleicht vielmehr den Gemmenköpfen des Solon mit dem angeblichen Maecenasbildnis.

Von zwei unter sich verschiedenen sog. Lepidusköpfen bei Cades (V. 259 u. 260) möchte der eine mehr wegen des lituus als wegen besonderer Uebereinstimmung mit den Münzen einiges Recht auf seine Bezeichnung verdienen. Es ist ohne Zweifel der bei Leon. Agostini abgebildete (Gemmae et sculpt. ant. II. 48).

ANMERKUNGEN:

1 S. Drumann R. G. I. p. 23.
2 Vgl. Cohen Méd. imp.; I. 2. éd. p. 32 ff.; Boutkowski Dictionn. numism. I. p. 109 ff.
3 Cohen Méd. cons. XXV. Livineia 7.
4 Cohen Méd. cons. XXIX. Mussidia 9.
5 Abg. Zeitschr. f. Numizm. VI. 1879. Tf. 1.
6 Abg. Visc. Icon. rom. VII. 7; Cohen Méd. cons. II. Aemilia 18.
7 Cic. Phil. V. 15.
8 Dio XLVI. 51.
9 Pistolesi il Vatic. descr. IV. 9. 4; Duruy Hist. d. Rom. III. p. 461. Eine moderne Copie in der k. Sammlung zu Madrid (Hübner Ant. Bildw. v. Madr. p. 164. Nr. 14).
10 Vgl. E. Braun Ruinen und Mus. Roms p. 254.
11 Duruy Hist. d. Rom. III. p. 469.
12 Abg. Caylus Recueil III. pl. 108 ( ); Dumersan Notice etc. pl. IV. 1 (); Mém. de la société des antiqu. de France T. XXI. pl. 6 (); Duruy Hist. d. Rom. III. p. 518 (). Vgl. oben p. 86.
13 Bouillon III. bustes pl. 9. inconn. 3.

Text: J. J. Bernoulli. Römische Ikonographie. T. I. Die Bildnisse berühmter Römer.
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882. S. 220224.
Credits:
() 2008. Photo: Sergey Sosnovskiy (CC BY-SA 4.0).
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History of Ancient Rome