Apotheosis of Antoninus Pius and Faustina. Decursio relief, base of the Column of Antoninus Pius.

White Italian marble. 161 CE.
Height 2.47 m, width 3.38 m.

Rome, Vatican Museums, Cortile delle Corazze
(Musei Vaticani)

Description:
Deutsch 223. Der Sockel der Antoninus-Pius-Säule (Taf. 216—218).

H. 2,47 m., Seitenbreite 3,38 m. Marmor italisch.

Dem Divus Antoninus Pius wurde von seinen Söhnen und Nachfolgern M. Aurelius Antoninus und Lucius Verus eine Säule errichtet, auf deren Höhe die Statue des Vergötterten stand.

Bis zum Jahre 1703 wufste man von dieser Säule nur durch ein paar dem Divo Pio zum Gedächtnis geprägte Münzen und mochte sie also mit der Marcus-Säule, deren S. 884 Weihinschrift fehlte, identisch glauben, freilich nicht ohne sich mit den Reliefs der Säule in sehr gezwungener Weise abzufinden. Zu Ende des Jahres 1703, unter Clemens XI. wurde im November die Granitsäule, deren oberer Teil immer aus der Erde hervorgeragt hatte, freigelegt, und aus der Inschrift und dem Bildwerk des Sockels erkannte man nun alsbald, dafs diese Säule des Antoninus und die andere seines Sohnes Marcus Denkmal und Bildträger sei.

Das Standbild des Divus wurde natürlich nicht gefunden; auch vom Capitäle der Säule hat man keine zuverlässige Kunde. Die Basis sieht man noch bei Piranesi über dem gleichfalls wohl der Erleichterung wegen später abgenommenen Aufsatz des Sockels. Den Säulenschaft konnte man messen: 66,8 palm (Piranesi), die man gleich 50 röm. Fufs fand, den Durchmesser 8 P. 412 U. Bei Hebungsversuchen zerbrach der Schaft1 und blieb liegen; die Hauptmasse desselben dienten später zur Ausbesserung des Gnomon-Obelisken des Augustus2; das unterste Ende hatte man wegen der Inschrift schon vorher abgesägt und bewahrte den durch das Feuer nicht unleserlich gewordenen Teil (unten Nr. 224) im Vatican. Die Säule verschwand also.

Mehr Interesse weckte alsbald der Sockel. Benedikt XIV. liefs ihn restaurieren3 und vor der Curia Innocenziana, dem heutigen Parlamentsgebäude aufstellen. Unter Pius VI. wurde er in den grofsen vatikanischen Garten überführt und auf dem Platz von Monte Citorio4 statt seiner der schon erwähnte Gnomon-Obelisk aufgerichtet. Unter Gregor XVI. in der Mitte des Giardino della Pigna5 aufgestellt, wurde der S. 885 Sockel hier von de Fabris aufs neue ergänzt. Dabei wurden jetzt, wie der im Jahre 1846 veröffentlichte Bericht de Fabris’ sagt, statt der früher, zum Schaden des Werkes, verwendeten Eisen, erzene Dübel und Klammern angewendet. Die Ergänzungsstücke des oberen und unteren Ablaufs von der ersten Restauration, die bei dem Transport unten Pius VI. vorsichtshalber abgenommen und im Magazin verblieben waren, wurden ebenfalls jetzt wieder angefügt. Doch vgl. hinter 95 u. 100. Über ähnliches Schicksal der Inschrift s. unten.

Im Jahre 1885 endlich mufste der Sockel abermals einem andern Monument den Platz räumen: in der Mitte des Gartens wurde die Concilssäule aufgerichtet; der Sockel der heidnischen Säule wurde durch den gegenwärtigen Direktor der päpstlichen Museen, Alb. Galli, auf geneigter Ebene, ohne dafs die Pigna gerührt zu werden brauchte, an ihren jetzigen Platz in der grofsen Apsis, hinter der Pigna gebracht.

Den ursprünglichen Platz der Antonins-Säule im Zusammenhang der Antoninischen Anlagen hat Hülsen a. u. a. O. genauer bestimmt. Rund 180 M. westnordwestlich von der Säule des M. Aurel stand diejenige des Vaters, nicht wie diese und die trajanische eine “centenaria”, sondern nur halb so hoch, aber aus einem einzigen Stück aegyptischen Granits, demzufolge auch weder innen hohl noch aufsen mit Relief oder auch nur Canellierung versehen, sondern glatt. Ihre Basis und gewifs auch das Capitäl war aus weifsem Marmor; desgleichen der Sockel. In gleicher Orientierung wurde später die Marcus-Säule errichtet; doch erstreckte sich die Übereinstimmung der Orientierung nicht auf das Bildwerk, dessen Hauptstück am Sockel der Antoninssäule sich nach Süden, an der Marcus-Säule nach Osten kehrte6, an welcher Seite bei letzterer auch die Victoria in der Mitte des Säulenreliefs ihren Platz hat.

Die Fundierung der beiden grofsen Triumphalsäulen kennen wir natürlich nicht; diejenige der Antoninssäule ist beim Ausheben der Stücke, wobei die Hoffnung, eingemauerte Münzen und Documente zu finden, enttäuscht wurde, aufgezeichnet worden. Auf dem untersten Fundamentkern von S. 886 in Kalk gebetteten Steinbrocken lag, über einer Abgleichung aus feiner Puzzolana, eine Travertinquaderschicht; über dieser wieder eine Abgleichung von Kalk, darüber eine zweite Schicht von Travertinquädern7. Hiermit schlofs das eigentliche Fundament ab; denn darüber lag der untere Sockel aus parischem Marmor8, 3 Palm = M. 0,66 dick, darüber der Sockel, aufser dem absägten Säulenendstück das Einzige was von dem ganzen Monument zu unserer Kenntnis erhalten geblieben ist.

Der Sockel besteht aus weifsem italischen Marmor, der stellenweise durch dunkle Adern getrübt und ins Bläuliche spielend erscheint. Den Erhaltungszustand zeigt die Tafel Vignolis, mit welcher die heute sichtbaren Ergänzungen der Hauptsache nach übereinstimmen. Denn wie die schon bei Vignoli kenntlichen Beschädigungen z. T. erst bei den Arbeiten zur Freilegung und Hebung des gewaltigen Gewichts entstanden zu sein scheinen, so sind bei den wiederholten und gröfseren Wanderungen, die das Monument später noch gemacht hat, weitere Beschädigungen nicht ganz vermieden worden, wie z. B. diejenige, welche die in die unterste Zeile der Inschrift hineinreichende Ergänzung nötig machte. In Vignolis Abbildung erscheint der obere Ablauf fast nur in der Mitte der Rückseite (mit der Inschrift) sowie an der l. Ecke der (für den vor der Hauptseite Stehenden verstanden) linken Nebenseite stärker verletzt; der untere dagegen an allen vier Seiten, mehr an der l. als an der r. Nebenseite; und noch S. 887 stärker ist die Zerstörung an den Ecken. Der ganze Block ist aufserdem von Rissen durchzogen. Natürlich sind nicht alle Stücke, die man heut angefügt sieht, moderne Zuthat; es sind darunter auch alte Teile, die entweder schon abgebrochen gefunden waren oder erst bei den verschiedenen Proceduren abbrachen. Der leidigen Gewohnheit, des Ausgleichs wegen, auch die alten Teile neben modernen Anstückungen zu überarbeiten, ist man auch hier gefolgt, so dafs kaum zu unterscheiden ist, was von neu angestückten Teilen alt sein mag.

Vgl. die Lettera di Fr. Cancellieri…… sopra lo scoprimento e la traslazione della colonna di Antonino Pio in den Effemeridi letterarie II (Rom 1821), wo eine gleichzeitige Relazione (nicht von Fr. Valesio) mitgetheiltwird. Aus Valesios echten Aufzeichnungen (Diario Ms. im capitolinischen Archiv) gibt Hülsen, Röm. Mitth. 1889 S. 34ff., Auszüge; ferner Fr. Bianchini de Kalendario et Cyclo Caesaris u. s. w., dabei eine Tafel zu Cap. VII mit Abbildung des Sockelreliefs mit angedeuteten Ergänzungen, Rom 1803. Vgl. die noch wichtigeren Angaben Bianchinis, welche Hülsen a. O. aus einem Manuscript desselben in Verona ausgezogen hat. Ioannis Vignoli Petilianensis de columna imper. Antonini Pii dissertatio, Rom 1705 mit einer grofsen Tafel zu S. 13, auf welcher alle vier Seiten des Sockels ziemlich genau im damaligen Zustand abgebildet sind; die Lettera (I und II) del Sig. Michelagn. De la Chausse data in luce da Nicc. Bulifoni, Neapel 1704 u. 1705; Fr. Posterla istorico e perfetto ragguaglio u. s. w. mit Beschreibung und Abbildung von Fontanas Gerüst zur Hebung der Säule; Piranesi campus Martius Taf. XXXII—XXXIII Rom 1762; Visconti Mus. Pio-Clem. VII, XLIII; De Fabris il piedistallo della colonna Antonina u. s. w. Rom 1846 zu Taf. XXVIII ff.; Taf. I, welche indes nicht, wie die Unterschrift sagt, den Zustand des Sockels vor der Restauration, welche de Fabris für Gregor XVI. ausführte, wiedergibt, sondern die Tafel Vignolis; Taf. II die restaurierten Reliefs.




Der Sockel im ganzen. Unterer und oberer Ablauf sind gleich, zunächst ein als Blätterrolle verzierter Rundstab, dann ein stark ausladendes Herzblattkyma aus wechselnd glatten und mit Akanthos gedeckten Blättern; die letzteren sind fast um 15 breiter als die ersteren. Derselbe Wechsel bei der unteren Blätterlage. Darüber, bezw. darunter liegt eine Deckplatte. Auch unten wäre nach Vignolis Abbildung der Vorderseite dieselbe Platte gewesen. Die Basis der Säule aus weifsem Marmor wurde sehr zerstört gefunden. Sie hat sich nicht erhalten.

Vorderseite (Taf. 116). Hier war nach derselben Tafel Vignolis das Herzblattkyma nicht vorhanden. So auffallend S. 888 die Erhaltung des mittleren Teiles bis ganz unten ist, so wird dies doch bestätigt durch den heutigen Befund. Denn zwar nicht mehr bis über den linken Helm hinaus reichend, aber doch unter dem halben Fufs der Roma und unter dem r. Helm ist ein Stück der Fufsplattenvorderseite erhalten, deutlich geschieden von einem schmalen modernen Streifen darunter. Diese Hauptfläche ist allerdings nicht als Wasser, wie Vignoli meinte, sondern als Fels oder Erdboden gekennzeichnet. Während auf beiden Nebenseiten die ganze Bildfläche als campus zu verstehen ist, aus welchem kleine Bodenstücke vorspringen, um die Figuren zu tragen, ist hier der Erdboden auf die untere Zone beschränkt, mit zwei, jetzt gröfstenteils aber nothwendig und sicher ergänzten Erhebungen; darüber ist der Luftraum. Dieses Gegensatzes wegen ist der Erdboden hier so viel stärker betont, und das Ablaufsprofil preisgegeben.


Auf dem Erdboden nun lagert ein Jüngling (1) idealen Aussehens, den aufgerichteten Oberkörper mit dem r. Ellbogen stützend (neu Unterarm und Hand, Flicken im Leib und in der r. Flanke). Seine Beine sind von Gewand (ein Streifen ganz entlang mitsamt r. Fufs ergänzt) bedeckt, das rechte ausgestreckt, das linke angezogen, der Fufs (mit neuem Knie) hoch aufgesetzt. Mit dem l. Arm umfafst der Jüngling, die Finger (neu Zeigefinger) daranlegend, einen Obelisken, unter dessen würfelförmigem Sockel nicht Erdboden, sondern Gewand neben der Flanke des Jünglings sichtbar wird. Der Obelisk steht nicht ganz senkrecht, worin keine Absicht liegen kann. Gekrönt ist er mit einer Kugel, die weniger durch den kleinen Knauf oben, als durch ihre Stützen, die sich auf die Kanten der obersten kleinen Pyramide legen, als aus anderm Stoff, gewifs Metall, bestehend zu erkennen gibt. Der Jüngling hebt den Kopf und blickt dem vergötterten Kaiserpaar nach, das zum Himmel emporgetragen wird. Es ist, wie Visconti sah, der personificierte campus Martius mit dem Obelisk, den Augustus nach Plinius 36, 72 als Gnomon in campo unfern des nachmaligen Antoninischen Ustrinum aufgestellt hatte und der oben mit einer Kugel gekrönt war, wie derselbe Plinius bezeugt. Fast wie aus dem Schofse des liegenden Jünglings schwebt, mit etwas steif gestreckten, parallel S. 889 gehaltenen, nicht sich überschneidenden Beinen (2) ein idealer Jüngling nach r. empor (neu r. grofser und zweiter Zeh nebst Teil vom dritten, r. Zeigefinger und der Gewandknoten, Nasenspitze, Oberlippe, l. Zeige- und kleiner Finger bis auf die Spitze, Gewandzipfel neben der Linken von 1). Das Haar steigt wie bei I über der Stirn auf, um sich zu beiden Seiten hinab zu locken. Ein faltenreiches Gewand hängt vom Rücken her über den l. Arm vor, und an der andern Seite von der Rechten gefafst, dient es, zurückfliegend, die Bewegung durch die Luft zu versinnlichen. Den Kopf hebt der Geflügelte und wendet ihn ein wenig nach seiner Rechten, zu denen die er trägt empor. Auf der gehobenen Linken hält er den Himmelsglobus, den eine Schlange umwindet, deren Schwanzende (alt) über den Arm herabhängt, ein Sinnbild der Ewigkeit oder das Sternbild des Draco, neben dem minder leibhaftig, mehr bildartig, noch Fische, Widder und ein Stück vom Stier und neben dem Widder die Mondsichel sichtbar ist; die Epoche des Todes und der Consecratio zu bezeichnen, wie Bianchini, von Visconti gebilligt, deutet.

Ueber den mächtigen, schräge, der Flugrichtung gemäfs, ausgebreiteten Schwingen sieht man, als säfsen sie, jedenfalls nicht blofs als Büsten zu denken, links Antoninus Pius (neu Finger der L. mit Ende des Scepters, Hals und Kopf des krönenden Adlers, Nase und eine Gewandfalte). Mit Tunica und Toga bekleidet, läfst er die R., welche das kurze Adlerscepter hält, auf dem Rand des Flügels ruhen, als wäre dieser unbeweglich. Dicht an seiner l. Seite sitzt seine Gemahlin Faustina (neu Nasenspitze, l.Unterarm, Hand, Scepterende, Gewandteile) in gegürteter Stola, mit von der Flechtenkrone zu beiden Seiten niederfallendem Schleier. Das Scepter hielt sie wohl, wie es ergänzt ist, und den Kopf wendet sie ein wenig zum Gemahl. Neben beiden fliegen, über den Schwingen des Genius, zwei geleitende Adler, die Sinnbilder der Consecratio (neu beider Kopf und Hals).

Den Emporgetragenen blickt von r. Roma mit acclamierend oder anbetend gehobener R. nach. (R. Unterarm und Hand aufser drittem und viertem Finger, vier Finger der L., Nasenspitze, Schwertgriff ergänzt; ebenso verschiedene kleine S. 890 Faltenteile, z. B. über dem l. Arm und neben der r. Brust; l. Knie, Spitze des l. grofsen Zehs, Faltenteile auch unten). Den Kopf deckt ein attischer Helm, dessen grofser Kamm von einer liegenden Sphinx getragen wird. Ihr Kleid läfst die r. Schulter und Brust blofs; dafs es lang sei, wird man kaum behaupten dürfen, weil der l. Fufs mit rankenverzierten Fellstiefeln bis zum Obergewand frei ist. Dies hat die Göttin eben zum Ersatz um die Beine geschlagen, so dafs sie auf einem Teile davon sitzt; eine grofse Faltenmasse liegt im Schofs, und ein Zipfel, hinten herumgenommen, ist über den l. Arm geworfen. Mit diesem stützt sich die Göttin leicht auf den runden Schild, dessen flacher Rand aufsen mit einem Lorbeerkranz geschmückt ist, während auf der rosettenartig verzierten Wölbung die Wölfin mit den Zwillingen angebracht ist. Etwas stärker längs des Rückens, sonst überall gleichmäfsig behaart, ist das Tier in der Bewegung ähnlich der capitolinischen, aber es leckt einen der Zwillinge, die gegeneinandergekehrt gleichmäfsig sitzen, jeder mit den Händen das Euter fassend, an welchem er saugt (ergänzt war am l. das r. Bein, am r. l. Knie und l. Arm; doch sind die Ergänzungen wieder abgefallen).

Neben dem Sitz der Göttin und besonders vor ihr liegen Waffen, auch sie im ganzen vorzüglich erhalten. Vom Schilde der Göttin z. T. verdeckt ist, einzig in seiner Art, ein Gürtel mit doppelter Reihe von hängenden Plättchen. Der faltige Gürtel, den man sonst, weil von dem Panzer verdeckt, niemals sieht, scheint fest um den Felssitz der Göttin geschnürt zu sein. Vor ihm ist ein breites Schwert, angelehnt stehend, davor liegen zwei Beinschienen (die l. links, die r. rechts ergänzt), weiter links ein buschloser Helm, (abgebrochen, wieder angefügt), vor den Füfsen der Göttin endlich ein Schild von elliptischer Form, verziert mit Zackenborte und vierfachem Pflanzenkelch um den Umbo, auf dem ein Gorgoneion, schief zu beiden Achsen der Ellipse, abgebildet ist. Oben auf dem Schildrand liegt ein breiter Bogen, dessen eines, allein sichtbares Ende in einen Greifenkopf endet; gegen den Schild gelehnt steht ein cylindrischer Köcher mit umgeknüpften Riemen (wenig ergänzt). Der Deckel hängt aufgeklappt daneben, und die gefiederten Pfeilenden ragen hervor. Rechts neben dem Köcher kommt hinter dem Fufs S. 891 der Göttin das gekrümmte Ende eines Feldzeichens oder einer Trompete in Form eines Löwenkopfes (neu Wange) zum Vorschein; links ein Helm mit Federbusch und verziert mit zwei gekreuzten sechseckigen Barbarenschilden, und mit Ranken auf dem Visier.

Linke und rechte Nebenseite (die r. Taf. 117). Beide Nebenseiten enthalten genau dieselbe Darstellung: siebzehn Reiter reiten im Galopp in geschlossenem Ringe um eine Doppelgruppe von Fufssoldaten, je fünf Mann, die lebhaft bewegt aber nicht angriffsmäfsig von links und rechts einander entgegentreten. Schon Vignoli erklärte das für ein militärisches Manöver, etwa wie das, welches Herodian IV, 2 bei Gelegenheit der Consecratio des Severus beschreibt, dieses allerdings nur mit ἱππασία, bei welcher πᾶν τὸ ἱππικὸν τάγμα περιθεῖ κύκλῳ, also den Scheiterhaufen umkreist, nicht wie hier eine Abteilung Fufsvolk im Centrum9.

Beide Darstellungen sind so übereinstimmend, dafs nicht nur die Beschreibung, sondern auch die Angabe der Ergänzungen, soweit sie erforderlich scheint, zusammen für beide gegeben werden kann. Denn da im allgemeinen alle freier sich vom Grunde lösenden Teile der Zerstörung anheimgefallen waren, ist bei der Gleichheit der Ausführung auch dies Ergebnis auf beiden Seiten fast dasselbe gewesen.

Fufsgänger. Das Schema des Aufstellung läfst sich mit Ziffern 5 4 3 2 1 1 2 3 4 5, andeuten, 1, 1 sind Signiferi, 2, 2 — 4, 4 gewöhnliche Soldaten und zwar der Signa wegen Praetorianer, 5, 5 Officiere.



Signa sind erhalten an der r. oder Ostseite (O), ergänzt an der l., d. i. der Westseite (W): über zwei Quasten der erste Clipeus mit Kaiserbild, über einer dritten Quaste der zweite Clipeus, darüber zuletzt ein Oval mit kleinem Schild in Relief drauf. Beide Kaiserbilder sind als Gepanzerte mit Balteus über der Brust und Mantel auf der l. Schulter, barhäuptig zu erkennen. Sie sehen eher unbärtig als bärtig aus, namentlich der untere, ohne ausgeprägte Ähnlichkeit. Die Signiferi haben Caligae wie alle übrigen, keine Hosen, S. 892 mit tiefem Bausch gegürtete Tuniken, darüber umgeknüpft das Tierfell, dessen Kopf im Nacken hängt. Köpfe sind erhalten W. l. 1; O. l. 1, 2, r. 1, 2, 4; alle bärtig; alle, aufser den Signiferi, behelmt, der Busch erhalten nur W. l. 1.

Die Gemeinen (2—4) haben überall deutlich erhalten den Schienenpanzer mit einfacher Rundplättchenreihe, kein Cingulum noch Schwert oder Balteus; Hosen sind genügend gesichert, ebenso die Lanze in der R., neben dem langrunden Schild in der L., meist mit vierfacher Blume oder Palmette um den Umbo, das Blitzornament (ohne Zacken) nur W. und O. rechts 4. Die Officiere (5) sind kenntlich W. und O. l. am glatten Panzer mit einfacher Rundplättchenreihe, dazu dem Sagum, W. r. an doppelten Rundplättchen.

Reiter. Diese reiten teils einzeln, teils zu zweien, dreien und vieren: vorne, W. und O. links unten 1 mit vexillum, 2 desgleichen, 3 und 4 als Paar zu denken, aber fast gelöst, 5, 6 Seite an Seite, so auch 7, 8, 9 zu dreien, ebenso 10, 11, 12, dann einzeln 13, endlich zu vieren 14, 15, 16, 17. In diesen Reihen trägt der am Reliefgrund befindliche Flügelmann also 7, 12, 14 das vexillum. W. 1, 13, 17 sind fast ganz zerstört. Die Pferde, deren Extremitäten nur erhalten sind, wenn am Reliefgrund anliegend, sind gleichmäfsig ausgestattet mit gefranzter Schabracke, die durch Bauchgurt, Brust- und Schwanzriemen gehalten wird, letztere beide wie noch zwei Halsriemen weiter oben mit hängenden Lunulae oder Blättern vierziert, die an längeren Riemchen schwingen, zwei vor und hinter der Schabracke. Die Reiter, von denen sich jederseits sechs Köpfe erhielten, sind meist bärtig, so 5 (W. wenig), 12, 14, 15, 16, unbärtig nur 7. Ketten(?)-panzer mit gezacktem Saum unten und an den Armen haben nur 1, 2, 7(?), 10, 12(?), dabei ein meistens flatterndes Sagum 1, 2, 7, 10, 12, und dies auch 9, 11, 14, 15, 16 (ohne das Panzerkoller). Unter den so ausgestatteten Reitern sind auch die einzigen, welche als einzige Waffe ein Schwert an der l. Seite haben, von dem freilich meist nur der Balteus sichtbar ist, so 1, 2, 11; ungewifs, weil verdeckt, 7, 10, 12, 14. Die übrigen, d. h. 3, 4, 5, 6, 8, 9(?), 13(?), 17(?), haben einen Mantel in übereinstimmender Weise umgeworfen, so dafs der linke Zipfel über die l. Schulter vorfiel, der rechte hinten herum, S. 893 unter dem r. Arm vor und über den l. Arm zurückgeworfen wurde, darauf ähnlich wie bei der Toga, vom l. Zipfel ein Teil unter dem ihn deckenden r. zu einem Sinus vorgezogen ist. Diese so gekleideten Reiter werden Ritter und dieser Mantel die Trabea sein. Die Teilnahme der Ritter an den Funeralpompen ist bezeugt.

Die Inschriftseite (Taf. 118). Das Inschriftfeld ist von einem Herzblattkyma eingerahmt. Von der dreizeiligen Inschrift, die jetzt in Erzbuchstaben zu lesen ist10,

DIVO ∙ ANTONINO ∙ AVG ∙ PIO
ANTONINVS ∙ AVGVSTVS ∙ ET
VERVS ∙ AVGVSTVS ∙ FILII

wurden im Jahre 1703 die Furchen leer, d. h. der Erzbuchstaben beraubt gefunden, und wahrscheinlich haben die Kanten der Furchen beim Ausbrechen des Metalls die Verletzungen erlitten, welche die gegenwärtig sichtbaren Ergänzungen nötig gemacht haben. Allerdings könnte das auch bei der zweiten Plünderung geschehen sein. Denn nach de Fabris S. VII 13 konnte man bei der Restauration im J. 1846 drei Erzbuchstaben aus jener Zeit der Herstellung unter Benedikt XIV. benutzen11. Bei der ersten Entdeckung wird einstimmig das Fehlen der Erzbuchstaben bezeugt; also war die Inschrift unter Benedikt in Erz hergestellt12; dann wurden die Buchstaben vielleicht successive gestohlen bis auf drei, die man in Sicherheit gebracht haben mag. Arbeit sorgfältig.


ANMERKUNGEN:
(Die seitenweise Nummerierung der Anmerkungen im Buch wurde hier durch eine durchgehende Nummerierung ersetzt.)

S. 884 1) Cancellieri S. 4. Die Literatur s. am Ende S. 887.

2) Fea Misc. I CXXIII Anm. a im Jahre 1790 erwähnt die Restaurationsarbeit als im Gange seiend.

3) Cancellieri S. 17 f. berichtet was Clemens XI. gewollt und Benedikt XIV. gethan hatte.

4) Beschr. Roms II 2 S. 388, zu Ficoroni, Fea Miscell. I p. CXXIII; Nibby Roma nel 1838 = Moderna II 584.

5) Piranesi Camp Mart. I XXXII f. zeigt den Sockel mit den für Einfügung der Ergänzungen gemachten Ausschnitten; die noch separaten Ergänzungsstücke an besonderer Stelle der zweiten Tafel. Auch unsere Photographien Taf. 116 ff. zeigen den Sockel noch an seinem früheren Platze, und Taf. 119 seinen jetzigen Platz noch leer.

S. 885 6) Petersen, v. Domaszewski, Calderini Marcus-Säule S. 6 ist dargethan, dafs die Hauptansicht dieser Säule von Osten war, wo auch die Thür S. 886 sich befand. Diese fehlt der Antonins-Säule, aber deren Hauptansicht war selbstverständlich diejenige, an welcher die Apotheose am Sockel dargestellt war. Diese lag nach Vignolis Tafel gegen Osten; aber nach de la Chausse lett. I 11 kehrte sich die Inschrift gegen das Mausoleum des August, d. h. gegen Norden, folglich die Apotheose gegen Süden, genauer Südsüdost. Entscheidend sind die von Hülsen mitgeteilten Worte Bianchinis, wonach die Inschrift gegen das Mausoleum Augusti, die Apotheose ad australem et orientalem plagam posita gewesen und hinzugefügt wird: Huic vero lateri ad austrum praeponitur quadrata praecinctio triplex, quae ad bustum principum pertinere intelligitur.

7) Von Valesio bei Hülsen a. O. S. 42 notiert.

8) Dieser wurde vermutlich seiner gröfseren Festigkeit wegen gewählt, vgl. Marcus-Säule S. 11. Posterla S. 3 il primo Zoccholo, che posa sopra la Platea di Travertino e di marmo Greco quasi tutto deruto ed è alto Palmi tre.

S. 891 9) Vgl. Appian, b. c. I 106: καὶ τὸ πῦρ οἵ τε ἱππεῖς καὶ ἡ στρατιὰ περιέδραμον, bei der Leichenfeier für Sulla.

S. 893 10) CIL VI 1004, wo indessen über die Buchstaben nichts gesagt wird.

11) Si sono similmente (wie für Ergänzung des oberen und unteren Ablaufs am Sockel die für den Transport ausgenommenen Ergänzungsstücke s. oben S. 885) conservate di detta epoca (natürlich del restaura fatto al tempo di Benedetto XIV, der vorher erwähnt ist) num. tre lettere di metallo delle quali parimente si fece uso per completare il numero occorente nella iscrizione.

12) Bianchini-Hülsen S. 53; Vignoli S. 13; De la Chausse I 11.

Credits:
© 2006. Photo: S. Sosnovskiy.
© 1903. Text: W. Amelung. Die Sculpturen des Vaticanischen Museums. Berlin, 1903. Band I. S. 883—893.
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