Portrait of a woman, formerly believed to be Julia, daughter of Augustus
Reign of Augustus (27 BCE — 14 CE). Plaster cast. Inv. No. MCR 259.Rome, Museum of Roman CivilizationPhoto by Sabina Tariverdieva

Portrait of a woman, formerly believed to be Julia, daughter of Augustus.

Reign of Augustus (27 BCE — 14 CE). Plaster cast.
Inv. No. MCR 259.

Rome, Museum of Roman Civilization
(Roma, Museo della civiltà romana).

Berlin, State Museums.
Origin:
Provenance: Finding spot is unknown. Rome, previously in Natali collection.
Original: Staatliche Museen, Berlin, Germany. Inv. No. Sk 433.
Description:
Deutsch Maße: H. ges. 43 cm, o. Sockel 30 cm, o. Erg. 23,5 cm; B. 18.5 cm, o. Erg. 17,5 cm; T. 25 cm, Kopf m. Erg. 21,5 cm, Kopf o. Erg. 20 cm; Abstand äußere Augenwinkel 9,5 cm; Stirn — Kinn 16,5 cm.

Material/Technik: Mittelkristalliner weißer Marmor.

Erhaltung: Der Kopf ist am Hals gebrochen. Auf der linken Seite der Kalotte ist ein Stück ausgeschlagen. Gesicht und Hals sind durch neuzeitliche Reinigung verschliffen. Die tieferen Gravuren der Haare an Schläfen, Nacken und Augenbrauen scheinen neuzeitlich nachgearbeitet.

Ergänzungen: In Marmor ergänzt sind die Nase, fast das ganze linke Ohr sowie der Rand des rechten Ohres. Das untere Stück des Halses mit Büstenansatz ist aus Gips.

Beschreibung: Dargestellt ist eine junge Frau mit leicht nach rechts gewendetem Kopf. Sie hat glatte, ebenmäßige Gesichtszüge, die um die Mundwinkel und am Kinn jedoch kleine Fettpolster erkennen lassen. Feine, plastisch angedeutete Augenbrauen überspannen die mandelförmigen Augen mit flachen Augäpfeln. Die Augenlider sind scharf gezogen, wobei das obere das untere überschneidet. Der Tränenkanal ist angegeben. Die Frau trägt eine komplizierte Frisur mit Scheitelzopf, Stirnknoten und Nackenschlaufe. Zusätzlich sind die unmittelbar über der Stirn ansetzenden Strähnen unabhängig vom Haupthaar und in besonders aufwändiger Weise verarbeitet. Von der Stirnmitte aus verläuft ein sehr flacher Scheitelzopf nach hinten. An den Seiten ist das Haar straff angezogen, eingeschlagen und nach hinten geführt. Dort endet es in vier geflochtenen Strängen, die zu einem Zopf zusammengefasst sind. Dieser ist im Nacken eingeschlagen. Er wird von den Enden der Zopfflechten zweifach umwickelt und so zusammengehalten. Über der Stirn sind die Haare rechts und links zu je drei Haarschnüren gedreht. Diese wiederum liegen, miteinander zu einer Art Kranz verdreht, auf den seitlich des Kopfes eingeschlagenen Haaren auf. Am Hinterkopf sind sie oberhalb der Nackenschlaufe miteinander verknotet. Sehr prominent ist der Stirnknoten, für den das zentrale Stirnhaar zu dicken Strängen zusammengefasst und in drei Lagen miteinander verschlungen wurde.

Datierung: Frisurtypologisch gehört die Haartracht in das späte 1. Jh. v. Chr. Scheitelzopf und Stirnknoten sowie die straff eingeschlagenen Haare führen spätrepublikanische Traditionen fort, wenn hier auch in verkünstelter Form. Die kurze Nackenschlaufe etabliert sich dagegen um die Zeit der Ara Pacis (Polaschek 1972, S. 151—154). Die ebenmäßigen Gesichtszüge, die flachen Augäpfel, die Angabe des Tränenkanals sowie das vom Oberlid überschnittene Unterlid sprechen für eine Datierung in mittelaugusteische Zeit.

Interpretation: Die bis in die 1950er Jahre immer wieder vorgeschlagene Benennung der Dame als Julia Augusti ist ohne Grundlage. Es handelt sich um ein Privatporträt der mittelaugusteischen Zeit. Die nur mit hohem Zeitaufwand und mithilfe fremder, geübter Hände herzustellende Haartracht vermittelt den Eindruck, dass die Dargestellte aus der wohlhabenden Oberschicht stammte. Die straff gezogenen Haare, die keinen Spielraum für auch nur ein einziges Löckchen lassen, stehen in starkem Kontrast zu hellenistischen und manchen spätrepublikanischen Frisuren. Die sexuelle Konnotation von Haar unterstreicht die moralische Dimension des körperlichen Erscheinungsbildes generell (Bartman 1999, S. 32—39). In der politischen Situation des beginnenden Prinzipats kann es konkret ideologisch gelesen werden. Auf den ostentativen Luxus des als dekadent geschmähten Ostens wird verzichtet. An seine Stelle tritt eine nicht weniger aufwändige, aber disziplinierte und zudem in republikanischer Tradition verankerte Form weiblicher Kosmetik und Schönheitspflege. In derselben Weise ist das Fehlen von Schmuckstücken zu verstehen (z. B. Bartman 1999, S. 44—46; Berg 2002, 68—73; Alexandridis 2003, S. 9—14; Alexandridis 2004, S. 71—73). Das natürliche, aber höchst artifiziell gebändigte Haar wird hier gleichsam zum einzigen Schmuck.

Rezeption: 1766 von Bianconi in Rom aus der Slg. Natali erworben (nach Tieck aus der Slg. Polignac), dann von Cavaceppi restauriert und nach Potsdam gelangt; 1774 und 1775 im Korridor hinter der Bildergalerie in Potsdam nachgewiesen; 1775 im Jaspissaal (2. Feld) der neuen Kammern aufgestellt; um 1805 von Denon geraubt und 1815 restituiert (Savoy 2003, 2, S. 27); 1830 an das Museum abgegeben und dort im Westflügel (2. Kompartiment) aufgestellt (Hüneke 2009, S. 436 [Ulrike Müller-Kaspar]).

Literature:
Kataloge:
1. Tieck F. Verzeichniss der antiken Bildhauerwerke des Königlichen Museums zu Berlin3. Berlin, 1832. 27 Nr. 192 («Julia, Tochter des Augustus»);
2. Gerhard E. Berlin’s antike Bildwerke. I, A. Marmorwerke, B. Vasenbilder. Berlin, 1836. S. 106 Nr. 192 («angebliche Julia, Tochter des Augustus»);
3. Verzeichnis der Antiken Skulpturen mit Ausschluss der pergamenischen Fundstücke. Berlin, 1885. S. 81 Nr. 433 («Römerin»);
4. Conze A. Beschreibung der antiken Skulpturen mit Ausschluss der pergamenischen Fundstücke. Berlin, 1891 S. 169 f. Nr. 433 («weibliche Porträtbüste»);
5. Staatl. Museen zu Berlin (Hrgs.), Kurze Beschreibung der antiken Skulpturen im Alten Museum3. Berlin, 1922. S. 39 Nr. 433;
6. Blümel C. Tierplastik aus fünf Jahrtausenden; Bildwerke aus den Staatlichen Museen zu Berlin. Berlin, 1933. S. 10 f. Nr. R 22 Taf. 15 («Benennung nicht möglich»);
7. Hüneke S. (Hrsg.) Antiken I. Kurfürstliche und königliche Erwerbungen für die Schlösser und Gärten Brandenburg-Preuβens vom 17. bis zum 19. JahrHundert. Berlin, 2009. S. 436 f. Abb. S. 437 Nr. 290 (Ulrike Müller-Kaspar).

Literatur:
1. Raccolta D’Antiche Statue Busti Bassirilievi ed altre Sculture restaurate da Bartolomeo Cavaceppi II. Roma, 1769. Taf. 48 («ritratto incognito»);
2. Bernoulli J. J. Römische Ikonographie. Stuttgart, 1886. Bd. II. 1. S. 114. 130 Abb. 15 («eher Julia»);
3. Steininger R. Die weiblichen Haartrachten im ersten Jahrhundert der römischen Kaiserzeit. München, 1909. S. 16 («keine Julia»);
4. Poulsen F. Ikonographische Miscellen. Kopenhagen, 1921. S. 47 f. Abb. 11;
5. Kekulé von Stradonitz R. Die griechische Skulptur. Berlin, 1922. S. 370;
6. Schröder B. Römische Bildnisse. Berlin, 1923 a. S. 9 Taf. 6;
7. West R. Römische Porträt-Plastik I. München. 1933. S. 130 Taf. 32 Abb. 132 («Julia [?]»);
8. Marella M. L. In: Atti della Reale Accademia d’Italia. Rev. della Cl. di Scienze, Morali e Storiche 7. Ser. 3. 1942. S. 57 Anm. 1 («cosidetta Giulia»);
9. Poulsen V. Studies in Julio-Claudian Iconography // ActaArch. 17. 1946. S. 4 («Julia»);
10. Hafner G. Zum Augustus-Relief in Ravenna // MDAI (R). LXII. 1955 a. S. 164 Anm. 10 («Julia»);
11. Furnée-van Zwet L. Fashion in Women’s Hairdress in the First Century of the Roman Empire // BaBesch. 31. 1956. S. 13–15 Abb. 13 («“Julia”»);
12. Bartels H. Studien zum Frauenporträt der augusteischen Zeit. Fulvia, Octavia, Livia, Julia. München, 1963. S. 73 Anm. 601 («keine Julia»);
13. Polaschek K. Studien zu einein Frauenkopf mi Landesmuseum Trier und zur weiblischen Haartracht der iulisch-claudischen Zeit // Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete. 1972. S. 153 Anm. 41; S. 190;
14. Grimm G. Zum Bildnis der Iulia Augusta // MDAI (R). 80. 1973. S. 281 Anm. 21 («keine Julia»);
15. Imdahl M. – Kunisch N. Plastik: Antike und Moderne Kunst der Sammlung Dierichs in der Ruhr-Universität Bochum. Kassel, 1979. S. 49 Anm. 13;
16. Kockel V. Porträtreliefs stadtrömischer Grabbauten. Mainz, 1993. S. 46 Anm. 384. 387; S. 181 Anm. 6; S. 221 Anm. 2;
17. Bartman E. Portraits of Livia, Imaging the Imperial woman in Augustan Rome. Cambridge, 1999. S. 38 Anm. 45; S. 217 Anm. 38;
18. Savoy B. Patrimoine annexé: Les biens culturels saisis par la France en Allemagne autour de 1800. Paris, 2003. II. S. 27 Nr. 33 («buste de Livie», «Römerin»);
19. Heilmeyer W.-D. Pergamon Museum, Berlin: 66 masterpieces. London, 2005. S. 25. 27;
20.Fless F. u. a. Schau mir in die Augen-: das antike Porträt. Berlin, 2006. S. 113 Nr. 284 (Klaus Stemmer).
Credits:
© 2009. Photo: S. Tariverdieva.
Text: museum label.
© Description: Arachne.
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